Osteoporose

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17.9.2026

Osteoporose bedeutet übersetzt: poröser – also: löchriger – Knochen. Das klingt bedrohlich nach Schmerzen, Schwäche, Bruchgefahr – und vor allem nach einem unausweichlichen Schicksal im Alter. Aber stimmt das wirklich? Wir erklären Dir hier, wie und warum das Skelett schwächer wird, was daran natürlich ist und was nicht, wie Du vorbeugen kannst und was Dir hilft, wenn bei Dir Osteoporose festgestellt wurde.
Schon mal so viel vorab: Osteoporose ist zwar nicht heilbar, aber gut behandelbar. Und je früher Du Dich um die Gesundheit Deiner Knochen kümmerst, desto besser kannst Du sie schützen und aktiv bleiben.
Was genau ist Osteoporose?
Osteoporose ist eine Stoffwechselerkrankung des Skeletts. Um sie besser zu verstehen, lohnt sich ein kurzer Blick auf das, was im Inneren der Knochen passiert: Anders als wir uns das oft vorstellen, sind Knochen kein starres, „totes“ Material, sondern lebendiges Gewebe, das sich ständig ab- und neu aufbaut.
Bei jungen, gesunden Menschen überwiegt dabei die Knochenneubildung: Es baut sich mehr Knochensubstanz auf, als gleichzeitig abgebaut wird. Im Alter von circa 30 Jahren ist dann die maximale Knochenmasse erreicht – jetzt halten sich Knochenaufbau und Knochenabbau die Waage. Ab etwa dem 35. Lebensjahr gerät das fein abgestimmte Gleichgewicht allmählich aus der Balance: Jetzt geht mehr Knochensubstanz verloren, als neue gebildet wird. Als normal gilt ein jährlicher Verlust zwischen 0,5 bis 1 Prozent.
Von Osteoporose (im Volksmund auch „Knochenschwund“) sprechen Fachleute, wenn die Abbauprozesse schneller und stärker verlaufen als durchschnittlich zu erwarten ist. In schweren Fällen kann der jährliche Verlust bis zu 6 % betragen.
Was sind die Folgen von Osteoporose?
Osteoporose erhöht drastisch das Risiko für Knochenbrüche. Die Knochen können schon bei vermeintlich harmlosen Stürzen im Alltag brechen. In fortgeschrittenen Fällen sind sogar Brüche ohne vorangehenden Sturz möglich, sie passieren einfach beim Bücken oder Heben. Betroffen sind dabei häufig die Wirbelsäule, die Oberschenkelknochen (insbesondere der Oberschenkelhals), die Unterarme und Handgelenke.
Vor allem bei älteren Menschen, die aufgrund herabgesetzter Gelenkbeweglichkeit, durch Gangunsicherheit und Balanceschwierigkeiten leichter umkippen, wird das zu einer echten Gefahr für die Gesundheit. Denn bei Seniorinnen und Senioren heilen Knochenbrüche – in der Fachsprache auch Frakturen genannt –, sehr viel langsamer und haben oft schwere Folgen: So kann jeder fünfte Betroffene nach einem Schenkelhalsbruch nicht mehr in die gewohnte Umgebung zurückkehren, sondern ist pflegebedürftig.
Knochenmasse, Knochendichte, Knochensubstanz – was ist der Unterschied?
Als Knochenmasse bezeichnet man das Gesamtgewicht des Skeletts. Sie macht etwa 10 % bis 15 % des Körpergewichts aus. Der Begriff Knochendichte (Bone Mineral Density) bezieht sich auf den Gehalt an Mineralsalzen (allen voran Kalzium) in den Knochen. Je mineralhaltiger die Knochen, desto dichter und stabiler sind sie. Die Knochensubstanz ist das Material, aus dem Knochen gemacht sind. Sie besteht, vereinfacht ausgedrückt, aus organischer Grundsubstanz (Hauptbestandteil: Kollagenfasern) und Mineralsalzen.
Ursachen und Risikofaktoren: Wer ist von Knochenschwund betroffen?
Warum aus normalem Knochenverlust eine Osteoporose werden kann, ist bis heute wissenschaftlich nicht restlos geklärt. Vieles weist jedoch darauf hin, dass eine Störung des Kalzium- und Phosphathaushalts und bei Frauen der Östrogenmangel nach den Wechseljahren verantwortlich sind.
Bekannter als die direkte Ursache für Osteoporose sind die Risikofaktoren, die ihr Entstehen begünstigen können.
Alter
Alter
Osteoporose gilt als eine der wichtigsten altersbedingten Erkrankungen des Bewegungsapparats. Die Erkrankung entwickelt sich meist erst nach dem 50. Lebensjahr und wird mit zunehmendem Alter häufiger.
Geschlecht
Geschlecht
Frauen nach den Wechseljahren sind besonders häufig betroffen, weil der sinkende Östrogenspiegel den Knochenabbau beschleunigen kann. Aber auch Männer können an Osteoporose erkranken. Studien deuten darauf hin, dass durchschnittlich etwa 6,6 % der Männer und 22,6 % der Frauen unter Osteoporose leiden.
Erbliche Veranlagung
Erbliche Veranlagung
Auch genetische Faktoren spielen eine Rolle. Wer nahe Angehörige mit Osteoporose oder häufigen Knochenbrüchen hat, trägt selbst ein höheres Risiko.
Lebensstil
Lebensstil
Der Lebensstil beeinflusst die Knochengesundheit ebenfalls stark. Bewegungsmangel, Rauchen, hoher Alkoholkonsum sowie eine langfristig unzureichende Versorgung mit Kalzium und Vitamin D können die Knochen schwächen.
Medikamente
Medikamente
Bestimmte Medikamente erhöhen die Gefahr, an Osteoporose zu erkranken. Dazu zählen unter anderem langfristige Therapien mit Kortisonpräparaten und/oder Protonenpumpenhemmern/Magensäureblockern.
Vorerkrankungen
Vorerkrankungen
Einige Erkrankungen erhöhen ebenfalls das Risiko eines Knochenschwunds. Dazu gehören zum Beispiel:
rheumatische Erkrankungen,
Schilddrüsenüberfunktion, weil durch den beschleunigten Stoffwechsel Knochen schneller abgebaut werden,
Diabetes mellitus,
chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa durch die gestörte Aufnahme von Kalzium und Vitamin D im Darm,
Zöliakie
chronische Niereninsuffizienz und
Magersucht.
Erkrankungen, die das Sturzrisiko erhöhen, wie Epilepsie, Morbus Alzheimer und Parkinson, führen zwar nicht zu einem vergrößerten Osteoporose-Risiko. Indirekt verschlimmern sie aber die Auswirkungen einer Osteoporose, weil Stürze bei Menschen mit Knochenschwund dramatischere Folgen haben.
Wichtig: Treffen mehrere dieser Risikofaktoren auf Dich zu, lass Dich vorsorglich von Deiner Ärztin oder Deinem Arzt beraten, auch wenn Du Dich fit und beweglich fühlst. Denn im Frühstadium verursacht Osteoporose meistens weder Symptome noch Schmerzen. Aber kommst Du ihr frühzeitig auf die Spur, kannst Du am effektivsten gegensteuern!
Warnzeichen, Symptome und Diagnose: Knochenschwund frühzeitig erkennen
Die Erkrankung entwickelt sich schleichend über viele Jahre – oft völlig symptomlos und unbemerkt. In den meisten Fällen wird sie erst entdeckt, wenn ein harmlos erscheinender Sturz oder sogar einfaches Bücken oder Heben zu einem Knochenbruch geführt haben.
Es gibt aber einige Signale, die auf eine Osteoporose hinweisen können:
plötzlich auftretende starke oder dumpfe Rückenschmerzen – sie können von einem unbemerkten Bruch in Wirbelkörpern ausgehen,
eine veränderte Körperhaltung durch eine Verformung der Wirbelsäule, bei der sich ein Rundrücken ausbildet,
Abnahme der Körpergröße um mehr als vier Zentimeter innerhalb eines Jahres, weil die Knochensubstanz im Bereich der Lenden- und Brustwirbelsäule zusammensackt und die Wirbelkörper das Körpergewicht nicht mehr tragen können.
Wie wird eine Osteoporose diagnostiziert?
Für die Diagnosestellung klären Dein Arzt oder Deine Ärztin erst einmal die typischen Beschwerden ab und fragen nach Vorerkrankungen und Risikofaktoren. Eine körperliche Untersuchung kontrolliert die Funktion Deiner Muskeln und achtet auf Hinweise für einen unsicheren Gang.
Nun folgen spezielle diagnostische Verfahren. Die wichtigste Untersuchung ist die Knochendichtemessung, in der Fachsprache auch Osteodensitometrie oder DXA-Messung. Diese spezielle Durchleuchtungsmethode wird zumeist am Oberschenkelhals vorgenommen und zeigt im Ergebnis, wie viel Mineralsalz Deine Knochen enthalten bzw. wie dicht und belastbar sie sind.
Der Wert, der gemessen wird, ist der sogenannte T-Score. Die Tabelle zeigt die Einschätzung der ermittelten Zahl:
T-Score | Interpretation |
|---|---|
0 | regulärer Wert eines jungen Menschen zwischen 20 und 30 Jahren |
-1 | gilt noch als normal |
-1 bis -2,5 | leicht verminderte Knochendichte (Osteopenie) |
-2,5 oder weniger | stark verminderte Knochendichte (Osteoporose) |
Entsprechend Deiner Symptome können die Medizinerinnen und Mediziner zusätzlich eine herkömmliche Röntgenkontrolle und Blutuntersuchungen einsetzen. Das kann unter Umständen wichtig sein, um andere Ursachen auszuschließen, eventuell bestehende Frakturen oder weitergehende Folgen (etwa eine Nervenquetschung in der Wirbelsäule) festzustellen.
Gut zu wissen: Die Krankenkassen zahlen die Osteoporose-Diagnostik nicht als reine Vorsorgeleistung, sondern nur bei einem konkreten Osteoporose-Verdacht (zum Beispiel nach einer Fraktur).
Behandlungsmöglichkeiten: medikamentöse Wege zur Knochenstärkung
Medizinische Behandlungen sollten immer individuell abgestimmt sein – bei Osteoporose gilt das noch mal mehr. Hier zählt für die Therapie nicht nur das individuelle Sturzrisiko, auch Alter, Geschlecht und mögliche Vorerkrankungen spielen eine entscheidende Rolle für den Behandlungsansatz. Das Ziel der Therapie ist dagegen immer dasselbe: Deine Knochen zu stärken, Schmerzen zu reduzieren und die Beweglichkeit möglichst lange zu erhalten. Folgende Medikamente können zum Einsatz kommen:
Medikamente, die den Knochenabbau bremsen: Häufig werden sogenannte Bisphosphonate verschrieben. Die Wirkstoffe heißen Alendronat, Ibandronat, Risedronat, Zoledronat oder ähnlich. Auch Denosumab bremst den Knochenabbau.
Medikamente, die den Knochenaufbau fördern: In manchen Fällen werden Wirkstoffe wie Teriparatid, Abaloparatid oder Romosozumab eingesetzt, um den Knochenaufbau zu unterstützen. Auch eine Östrogentherapie kann (bei Frauen) unter Umständen sinnvoll sein
Medikamente bei Schmerzen: Wenn Dich Schmerzen belasten, kann Deine Ärztin oder Dein Arzt zusätzlich Schmerzmittel verschreiben, zum Beispiel NSAR, Paracetamol, Metamizol oder in bestimmten Fällen auch Opiate. Physiotherapie oder eine Haltungsschule sind oft eine hilfreiche Ergänzung.
Wichtig: Egal, wie Deine Behandlung im Einzelnen aussieht: Du wirst nicht allein gelassen. Dein ärztliches Team begleitet Dich und beobachtet, wie sich Deine Beschwerden bzw. Deine Knochendichte entwickeln. Nutzen und mögliche Nebenwirkungen der Medikamente werden dabei sorgfältig abgewogen, immer mit Blick auf Deine persönliche Situation. Und natürlich bekommst Du rechtzeitig Bescheid, wann die nächste Knochendichtemessung für Dich sinnvoll ist.
Lebensstil: Was kannst Du Deinen Knochen selbst Gutes tun?
Du selbst kannst im Alltag eine Menge dafür tun, Dein Osteoporose-´Risiko zu senken oder den Erkrankungsverlauf positiv zu beeinflussen. Besonders wichtig ist regelmäßige Bewegung im Alltag. Denn eine moderate Belastung regt den Aufbau neuer Knochenmasse an. Bevor Du das nächste Mal in einen Fahrstuhl steigst, nimm lieber die Treppe. Und vielleicht findest Du eine Sportart wie Joggen oder Tanzen, die Dir Spaß macht.
Angepasst an Deine Kondition und Dein Alter – baue Kraft- und Gleichgewichtstraining in Deinen Alltag ein. Damit stärkst Du Deine Muskulatur und reduzierst die Gefahr von Stürzen. Kleine Übungen zur Verbesserung der Balance (z B. auf einem Bein, auf den Zehenspitzen oder auf den Fersen stehen) lassen sich mühelos auch zwischendurch – beim Zähneputzen, Kochen usw. – durchführen.
Auch mit der Ernährung kannst Du maßgeblich dazu beitragen, Deine Knochensubstanz zu stärken. Nimm ausreichend Kalzium und Eiweiß zu Dir. Diese Stoffe sind wichtig, um dem Abbau von Muskel- und Knochenmasse vorzubeugen. Damit Dein Körper Kalzium auch richtig verwerten kann, benötigt er Vitamin D. Das wird in der Haut unter Einstrahlung von Sonnenlicht gebildet, weshalb Du Dich täglich bis zu 15 Minuten im Freien aufhalten solltest. Ergänzen kannst Du die Zufuhr durch fettreichen Fisch, Eigelb, Leber, Käse und Speisepilze. Außerdem solltest Du auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum verzichten.
Leben mit Osteoporose: Alltagstipps und Hilfen
Wer im Alter einen Schenkelhalsbruch erleidet, wird sich davon vielleicht nicht mehr vollständig erholen – aber in den meisten Fällen, lässt sich trotz Osteoporose ein uneingeschränktes, selbstständiges Leben führen. Gehe bewusst mit Deinem Körper um, halte Dich an die Empfehlungen Deiner Ärztin oder Deines Arztes, setze die Therapievorschläge um und führe gewissenhaft und regelmäßig das Bewegungsprogramm durch, das sie Dir ans Herz gelegt haben.
Lerne, Dich möglichst rückenschonend zu bewegen und Lasten geschickt zu heben. Deine häusliche Umgebung solltest Du so einrichten, dass Du Stürze möglichst verhinderst und Deine Knochen entlastest. Wichtige Hilfsmittel dabei sind Haltegriffe im Badezimmer, rutschfeste Teppiche (oder Verzicht auf kleine Teppiche zugunsten schwellenloser Teppichböden) und Gehhilfen. Je sicherer Du Dich fühlst, desto entspannter bist Du: Das ist ein wichtiger Aspekt bei der Sturzvermeidung und ein Zugewinn an Lebensqualität.
Womit wir bei den psychischen Aspekten sind: Dein persönliches Wohlgefühl, Deine innere Haltung tragen wesentlich zu einer gelingenden Therapie bei. Leidest Du unter Schmerzen und Bewegungseinschränkungen, drückt das auf die Stimmung und verhindert unter Umständen den Behandlungserfolg. Sprich mit Angehörigen oder Freunden über Dein persönliches Befinden oder hole Dir auch in dieser Hinsicht professionelle Hilfe bei Deinem Arzt oder Deiner Ärztin. Sehr hilfreich: In Selbsthilfegruppen findest Du Menschen, die ähnliche Erfahrungen machen wie Du. Das kann dazu beitragen, die eigene Situation anders zu bewerten und besser damit umzugehen.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Du Fragen hast oder unsicher bist, wende Dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft. Entscheidungen, die Du aufgrund dieser Informationen triffst, erfolgen auf eigene Verantwortung.
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Quellen
Internetquellen
Internetquellen
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