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Adern

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Lesedauer 5 Min.

18.5.2026

Jeder Herzschlag setzt einen erstaunlichen Kreislauf in Bewegung: Blut strömt vom Herz aus durch den Körper, versorgt jede einzelne Zelle mit Sauerstoff und Nährstoffen und kehrt dann wieder zurück, um von vorne zu beginnen. Was dieses alltägliche Wunder möglich macht? Ein ausgeklügeltes Netzwerk aus Adern – also aus Arterien, Kapillaren und Venen.

Was sind Adern?

Als Adern – auch Blutgefäße genannt – bezeichnet man alle röhrenförmigen Gefäße im Körper, durch die Blut fließt. Sie bilden das Transportsystem des Blutkreislaufs: Das Herz pumpt das Blut durch die Arterien zu allen Organen und Geweben, wo die Kapillaren Sauerstoff und Nährstoffe direkt ans Gewebe abgeben. Die Venen transportieren das verbrauchte Blut anschließend zurück zum Herz.

Arterien

Arterien befördern sauerstoffreiches Blut vom Herz in den Körper. Bei jedem Herzschlag werden sie mit enormem Druck durchströmt. Deshalb haben sie besonders dicke, elastische Wände, die diesen Druck abfedern und gleichmäßig weiterleiten.

Die größte Arterie ist die Aorta – die Hauptschlagader. Von ihr zweigen alle weiteren Arterien des Körpers ab. Je weiter sie sich vom Herz entfernen, desto feiner werden sie. Die kleinsten Arterien – die Arteriolen – gehen schließlich in die Kapillaren über.  

Kapillaren  

An die Arteriolen schließt sich das feinste Netz des Kreislaufs an: die Kapillaren. Mit einem Durchmesser von nur 5 bis 10 Mikrometern sind sie kaum vorstellbar dünn – so dünn, dass Sauerstoff, Nährstoffe und Abbauprodukte direkt durch sie hindurchtreten können. So ermöglichen sie einen für uns lebenswichtigen Gas- und Stoffaustausch: Sauerstoff und Nährstoffe wandern ins umliegende Gewebe, Kohlendioxid und Stoffwechselprodukte nehmen den umgekehrten Weg zurück ins Blut.

Damit sind die Kapillaren das entscheidende Bindeglied zwischen Arterien und Venen.

Venen  

Aus den Kapillaren sammelt sich das nun sauerstoffarme Blut in feinen Venolen – den kleinsten venösen Gefäßen. Sie vereinigen sich zu immer größeren Venen, bis das Blut schließlich über die zwei großen Hohlvenen zum Herz zurückfließt.

Ihr Weg ist dabei nicht immer leicht: Häufig muss das Blut gegen die Schwerkraft nach oben fließen. Drei Mechanismen sorgen dafür, dass das gelingt: Venenklappen verhindern ein Zurückfließen des Blutes, während die Muskel- und Gelenkpumpen bei jeder Bewegung einen natürlichen Schub in Richtung Herz geben. 

Häufige Gefäßerkrankungen – und wie sie behandelt werden

Unsere Blutgefäße leisten ein Leben lang stille Arbeit. Doch wie jedes System im Körper können auch sie aus dem Gleichgewicht geraten. Manche Erkrankungen entwickeln sich schleichend über Jahre, andere machen sich plötzlich bemerkbar. Zum Glück lassen sich die meisten davon gut behandeln und einigen können wir sogar gezielt vorbeugen. 
Das sind die bekanntesten Gefäßerkrankungen: 

Arteriosklerose – Verhärtung der Arterien

Bei der Arteriosklerose lagern sich über Jahre hinweg Fett, Kalk und andere Stoffe an den Innenwänden der Arterien ab. Die Gefäße werden enger und starrer, sodass das Blut nicht mehr gut fließen kann. Da sich das schleichend entwickelt, bleibt es oft lange unbemerkt.

Die Folgen können schwerwiegend sein: Verengte Herzkranzgefäße können zu einem Herzinfarkt führen; verengte Hirngefäße zu einem Schlaganfall. Risikofaktoren sind Bluthochdruck, Rauchen, Diabetes, erhöhte Blutfettwerte und Bewegungsmangel.

Je nach Schweregrad wird Arteriosklerose mit Medikamenten, einem Stent oder in schweren Fällen operativ behandelt. 

Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)

Die pAVK – im Volksmund auch „Schaufensterkrankheit“ genannt – entsteht, wenn die Arterien in den Beinen durch Arteriosklerose so stark verengt sind, dass die Muskeln bei Belastung nicht mehr ausreichend durchblutet werden. Das typische Zeichen: Schmerzen beim Gehen, die im Stehen nachlassen. Deshalb bleiben Betroffene oft unvermittelt stehen, so als wollten sie ein Schaufenster betrachten. Im fortgeschrittenen Stadium können die Schmerzen auch in Ruhe auftreten, und das Gewebe kann durch den Sauerstoffmangel dauerhaft geschädigt werden.  

Behandelt wird pAVK mit Medikamenten, gezieltem Gehtraining, einer Aufdehnung der verengten Gefäße (Ballondilatation) oder im schweren Fall auch mit einer Bypass-Operation.

Aneurysma

Ein Aneurysma ist eine krankhafte Erweiterung oder Aussackung einer Arterie. Sie entsteht, wenn die Gefäßwand an einer Stelle geschwächt ist. Besonders häufig betroffen sind die Hauptschlagader oder Gefäße im Gehirn. Solange das Aneurysma klein ist, verursacht es meist keine Beschwerden. Wird es jedoch groß oder reißt es, kann das lebensbedrohlich sein. Je nach Größe und Lage wird es regelmäßig beobachtet, medikamentös behandelt oder operativ versorgt.

Krampfadern und Besenreiser

Krampfadern entstehen, wenn die Venenwände oder Venenklappen in den Beinvenen geschwächt sind. Das Blut staut sich zurück, die Venen weiten sich und werden sichtbar – als geschlängelte, bläulich hervortretende Stränge unter der Haut. Besenreiser sind die kleinere Variante: feine, rötlich-violette Äderchen, meist oberflächlich. Sie sind vor allem ein kosmetisches Thema. Krampfadern hingegen können mit der Zeit Beschwerden verursachen: schwere, müde Beine, Schwellungen oder ein Ziehen vor allem nach langem Stehen. Behandelt werden sie je nach Schweregrad mit Kompressionsstrümpfen, einer Verödung (Sklerotherapie), einer Laser- oder Radiofrequenztherapie oder einem kleinen operativen Eingriff.

Thrombose

Bei einer Thrombose bildet sich ein Blutgerinnsel in einer Vene – meist in den tiefen Beinvenen (tiefe Venenthrombose, kurz: TVT). Das Gerinnsel blockiert den Blutfluss und kann zu Schwellungen, Schmerzen und Wärme im betroffenen Bein führen. Besonders gefährlich wird es, wenn sich das Gerinnsel löst und in die Lunge wandert: Eine solche Lungenembolie ist ein medizinischer Notfall. Risikofaktoren sind langes Sitzen, Bewegungsmangel, Operationen oder eine erhöhte Gerinnungsneigung. Eine Thrombose muss schnell mit blutverdünnenden Medikamenten (Antikoagulanzien) behandelt werden, die das Gerinnsel auflösen und neue verhindern.

Wie kannst Du Erkrankungen der Adern vorbeugen?

Du kannst selbst eine Menge dafür tun, Deine Blutgefäße gesund zu halten – und das oft mit einfachen, alltäglichen Gewohnheiten.

  • Regelmäßige Bewegung  
    Ausdauersport wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren hält die Gefäße elastisch, senkt den Blutdruck und fördert die Durchblutung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche. Das sind zum Beispiel 30 Minuten an fünf Tagen der Woche.
  • Ausgewogene Ernährung
    Eine Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und gesunden Fetten (z.B. aus Olivenöl, Nüssen oder fettem Fisch) unterstützt die Gefäßgesundheit. Zu viel Salz, gesättigte Fettsäuren (z.B. in Wurst und stark verarbeiteten Lebensmitteln) belasten die Gefäße dagegen langfristig.
  • Rauchstopp
    Rauchen gehört zu den größten Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen. Die Schadstoffe schädigen die Gefäßinnenwände und fördern Ablagerungen.
  • Gesundes Körpergewicht
    Übergewicht erhöht den Blutdruck, belastet das Herz und begünstigt die Entstehung von Diabetes – allesamt Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen.
  • Viel trinken
    Ausreichend Flüssigkeit unterstützt die Fließeigenschaften des Blutes und kann das Thromboserisiko senken. Mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser oder ungesüßte Tees pro Tag sind empfehlenswert.
  • Regelmäßige Vorsorge
    Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte oder ein erhöhter Blutzucker verursachen oft lange keine Beschwerden und werden deshalb häufig zu spät erkannt. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen bei Deiner Ärztin oder Deinem Arzt helfen, Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.
  • Gutes Stressmanagement
    Chronischer Stress erhöht dauerhaft den Blutdruck und belastet die Gefäße. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder einfach regelmäßige Ruhephasen im Alltag können helfen, hier gegenzusteuern. 

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Du Fragen hast oder unsicher bist, wende Dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft. Entscheidungen, die Du aufgrund dieser Informationen triffst, erfolgen auf eigene Verantwortung.

Quellen

Internetquellen

  • Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin e. V. (DGA). (2023). S2k-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und der Lungenembolie (Version 5.5, AWMF-Registernummer 065-002). AWMF. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/065-002
  • Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie e. V. (DGPL). (2019). S2k-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Varikose (AWMF-Registernummer 037-018). AWMF. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/037-018
  • Deutsche Gesellschaft für Angiologie (DGA. (2024). S3-Leitlinie: Diagnostik, Therapie und Nachsorge der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (AWMF-Registernummer 065-003). AWMF. https://register.awmf.org/leitlinien/detail/065-003
  • Williams, B., Mancia, G., Spiering, W., Agabiti Rosei, E., Azizi, M., Burnier, M., Clement, D. L., Coca, A., de Simone, G., Dominiczak, A., Kahan, T., Mahfoud, F., Redon, J., Ruilope, L., Zanchetti, A., Kerins, M., Kjeldsen, S. E., Kreutz, R., Laurent, S., . . . Desormais, I. (2018). 2018 ESC/ESH guidelines for the management of arterial hypertension. European Heart Journal, 39(33), 3021–3104. https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehy339
  • World Health Organization. (2020). WHO guidelines on physical activity and sedentary behaviour: at a glance. World Health Organization. https://iris.who.int/handle/10665/337001. 

Printquellen

  • Jelkmann, W. (2010). Blut. In R. F. Schmidt, F. Lang & M. Heckmann (Hrsg.), Physiologie des Menschen (31. Aufl., S. 478–502). Springer.