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Herz

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Lesedauer 9 Min.

18.5.2026

Weißt Du, wie oft Dein Herz am Tag schlägt? Über 100.000 Mal! Kein anderes Organ ist so kraftvoll und gleichzeitig so verletzlich. Wer versteht, wie das Herz funktioniert, was es braucht und seine Warnsignale kennt, kann viel dazu beitragen, es lange gesund zu halten.

Wie ist das Herz aufgebaut?  

Unser Herz ist etwa so groß wie die eigene Faust und liegt leicht nach links versetzt hinter dem Brustbein. Es besteht aus mehreren Gewebeschichten, ist aber innen hohl. Bei Erwachsenen wiegt es zwischen 250 und 350 Gramm.

Kammern und Klappen
Eine dünne Wand (Kammerscheidewand) trennt das Herz in eine linke und eine rechte Hälfte. Jede Hälfte besteht aus einem kleineren Vorhof und einer größeren Herzkammer – durch diese insgesamt vier Hohlräume fließt das Blut in einer festgelegten Reihenfolge.  Damit es dabei immer in die richtige Richtung strömt, gibt es insgesamt vier Herzklappen – jeweils eine zwischen den Kammern und an den Ausgängen des Herzes. Sie öffnen und schließen sich wie Einwegventile, passiv und präzise, allein durch den Blutdruck gesteuert. Ist das Herz gesund, schlägt keine Klappe zurück.

Herzschichten
Das Herz besteht aus drei übereinanderliegenden Gewebeschichten, die perfekt aufeinander abgestimmt sind:

  • Das Perikard, der sogenannte Herzbeutel, umschließt das Herz wie eine Schutzhülle. Er besteht aus zwei Lagen – einem äußeren „Sack“ aus Bindegewebe und einer inneren, dünnen, glatten Hülle (Epikard), die direkt auf dem darunter liegenden Herzmuskel liegt. Zwischen diesen beiden Lagen befindet sich ein Spalt, der mit etwas Flüssigkeit gefüllt ist, so dass das Herz sich bei jedem Schlag reibungslos bewegen kann.
  • Darunter liegt das Myokard – der eigentliche Herzmuskel. Er macht den Großteil der Herzwand aus und ist für die Pumpkraft verantwortlich. An der Dicke des Myokards kann man sehen, dass die linke Herzkammer mehr leistet als die rechte: Sie hat eine kräftigere Muskelwand, weil sie einen deutlich höheren Widerstand überwinden muss, um das Blut durch den gesamten Körper zu pumpen, während die rechte Kammer das Blut nur in die nahe gelegene Lunge befördert.
  • Die innerste Schicht ist das Endokard – eine hauchdünne, glatte Auskleidung der Herzhöhlen. Sie sorgt dafür, dass das Blut reibungslos durch das Herz fließen kann, und bildet gleichzeitig die Oberfläche der Herzklappen.

Gut zu wissen: So fleißig das Herz für den Rest des Körpers arbeitet – es muss auch selbst versorgt werden. Das übernehmen die Herzkranzgefäße (Koronararterien), die wie ein Kranz rund um das Myokard verlaufen und es mit sauerstoffreichem Blut beliefern.

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Der Herzschlag

Die Spitze des Herzes ist zur linken Seite ausgerichtet. Daher kannst Du den Herzschlag eher auf der linken Brusthälfte spüren. Was wir dabei wahrnehmen, ist das rhythmische Zusammenziehen (Systole) und Entspannen (Diastole) des Herzmuskels. Dieser Rhythmus wird vom Sinusknoten vorgegeben, der im rechten Vorhof sitzt. Seine Zellen senden in regelmäßigen Abständen elektrische Impulse aus, die sich über das gesamte Herz ausbreiten und es zum Pumpen bringen. Der Herzmuskel presst dabei das Blut aus den Kammern in die Blutgefäße des Körpers.

In Ruhe schlägt das Herz eines gesunden Erwachsenen 60 bis 100 Mal pro Minute. Dabei ist es jedoch flexibel, passt sich dem Bedarf des Körpers an. So kann es beim Sport also auch 180 Mal pro Minute schlagen. Gut trainierte Ausdauersportler haben oft einen Ruhepuls von unter 50 Schlägen pro Minute – ihr Herz ist so kräftig, dass es mit weniger Schlägen mehr Blut bewegen kann.

Funktionen des Herzes

Das Herz ist das Zentrum des Kreislaufsystems – und sein unermüdlicher Motor. Seine wichtigste Aufgabe: Blut durch den gesamten Körper zu pumpen und damit Sauerstoff, Nährstoffe und lebenswichtige Botenstoffe dorthin zu bringen, wo sie gebraucht werden. Dafür betreibt es gleichzeitig zwei Kreisläufe:

  • Der kleine Kreislauf (Lungenkreislauf) führt sauerstoffarmes Blut von der rechten Herzhälfte zur Lunge, wo es mit Sauerstoff angereichert wird, und bringt es dann zurück zum Herz.
  • Der große Kreislauf (Körperkreislauf) pumpt das frisch mit Sauerstoff beladene Blut von der linken Herzhälfte durch die Hauptschlagader (Aorta) in alle Organe, Muskeln und Gewebe des Körpers. Dort gibt das Blut seinen Sauerstoff ab und nimmt Kohlendioxid auf, bevor es wieder zum Herz zurückkehrt und der Kreislauf von vorne beginnt.

Häufige Herzkrankheiten

Das Herz ist robust, aber leider nicht unverwundbar. Herzerkrankungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen weltweit. Aber: Die Medizin kennt sie gut und kann sie behandeln. Viele lassen sich auch mit dem richtigen Lebensstil gut lindern oder sogar verhindern. Hier sind die wichtigsten:

Koronare Herzkrankheit (KHK)

Die koronare Herzkrankheit ist eine der verbreitetsten Herzerkrankungen überhaupt. Sie entsteht, wenn sich die Herzkranzgefäße im Laufe der Zeit durch Ablagerungen aus Fett, Kalk und anderen Stoffen (sogenannte Plaques) verengen. Diesen Prozess nennt man Arteriosklerose.  

Je enger die Gefäße werden, desto weniger Blut und Sauerstoff erreichen den Herzmuskel. Das Herz muss dann mit weniger auskommen und meldet sich irgendwann mit Beschwerden: ein Druckgefühl oder Schmerzen in der Brust, vor allem unter körperlicher Belastung (Angina pectoris), aber auch Kurzatmigkeit, Oberbauchschmerzen oder Herzklopfen können Hinweise sein.  

Werden die Gefäße irgendwann vollständig verschlossen, kommt es zum Herzinfarkt.

Herzinfarkt

Ein Herzinfarkt entsteht, wenn ein Herzkranzgefäß plötzlich vollständig blockiert wird – meist durch ein Blutgerinnsel, das sich an einer Engstelle löst. Der betroffene Teil des Herzmuskels wird nicht mehr mit Blut versorgt und stirbt ab. Typische Warnzeichen sind starke Schmerzen oder ein Druckgefühl in der Brust, die in den linken Arm, den Kiefer oder den Rücken ausstrahlen können, dazu Kurzatmigkeit, Übelkeit und Schweißausbrüche. Bei Frauen verlaufen Herzinfarkte oft mit anderen Symptomen: Erschöpfung, Oberbauchschmerzen oder Übelkeit. Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt gilt: sofort den Notruf (112) wählen.

Herzrhythmusstörungen

Das Herz schlägt normalerweise regelmäßig und rhythmisch. Kommt dieser Rhythmus aus dem Takt, spricht man von einer Herzrhythmusstörung. Manche sind harmlos und kaum spürbar (etwa gelegentliche Extraschläge), andere können gefährlich werden. Eine bekannte Form ist das Vorhofflimmern, bei dem die Vorhöfe des Herzes unkontrolliert und unkoordiniert zittern. Vorhofflimmern erhöht das Risiko für Schlaganfälle und muss behandelt werden.

Herzinsuffizienz

Bei einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche) ist das Herz nicht mehr in der Lage, den Körper ausreichend mit Blut zu versorgen. Es pumpt zwar, aber nicht mehr mit voller Kraft. Betroffene bemerken das oft an Kurzatmigkeit, geschwollenen Beinen (Wassereinlagerungen) und rascher Erschöpfung. Herzinsuffizienz ist häufig eine Folgeerkrankung – etwa nach einem Herzinfarkt, bei langjährigem Bluthochdruck oder nach Herzmuskelentzündungen.

Entzündliche Herzerkrankungen

Das Herz kann sich an verschiedenen Stellen entzünden. Je nachdem, welche Schicht oder Struktur betroffen ist, unterscheiden sich Name und Verlauf:

  • Endokarditis: Die innerste Herzschicht und häufig die Herzklappen sind entzündet, meist durch Bakterien. Typische Symptome sind Fieber und Abgeschlagenheit. Die Entzündung muss meist mit einer längeren Antibiotikatherapie behandelt werden.
  • Myokarditis: Der Herzmuskel ist entzündet, häufig nach einer Virusinfektion, die nicht richtig auskuriert wurde. Die Beschwerden (Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen, Fieber, Husten und Schnupfen) werden häufig dem Infekt zugeordnet. Bei einer Myokarditis ist strikte körperliche Schonung angesagt – Sport ist tabu.
  • Perikarditis: Der Herzbeutel ist entzündet, meist durch Viren. Typisch ist ein stechender Brustschmerz, der im Liegen stärker wird. Eine Perikarditis heilt mit Schonung und Medikamenten meist gut aus. 

Bluthochdruck (Hypertonie): ein stiller Risikofaktor

Bluthochdruck ist einer der größten Risikofaktoren für Herzerkrankungen. Das Tückische daran: Er verursacht meist keinerlei Beschwerden. Viele Betroffene wissen jahrelang nichts davon, während die erhöhten Druckverhältnisse schleichend die Gefäße und den Herzmuskel belasten.
Von Bluthochdruck spricht man ab einem Wert von 140/90 mmHg oder höher. Werte zwischen 120/80 und 139/89 mmHg gelten als erhöht und sollten beobachtet werden.
Da das Risiko mit dem Alter deutlich ansteigt, sollte jeder Mensch ab 40 Jahren den Blutdruck regelmäßig bei der Ärztin oder beim Arzt kontrollieren lassen. Wer zusätzliche Risikofaktoren hat (z.B. Übergewicht, wenig Bewegung, Stress oder eine familiäre Vorbelastung) sollte seinen Blutdruck noch konsequenter im Blick behalten. 

Wird das Herz mit der Zeit alt? 

Nicht jede Veränderung am Herz ist eine Krankheit: Mit zunehmendem Alter werden die Herzwand dicker und der Herzmuskel steifer. Diese natürlichen Alterungsprozesse haben Folgen: Das Herz füllt sich in der Ruhephase zwischen den Schlägen schlechter mit Blut und kann weniger leisten. Im Alltag fällt das kaum auf. Bei körperlicher Belastung, Stress oder einem Infekt aber kann das Herz schneller an seine Grenzen kommen – die Reserve wird spürbar kleiner.
Die beste Gegenstrategie? Ganz einfach: Bewegung! Regelmäßiges, moderates Ausdauertraining hält den Herzmuskel geschmeidiger und verlangsamt den Alterungsprozess spürbar. 

Tipps für ein gesundes Herz

Viele Herzerkrankungen entstehen nicht über Nacht, sondern über Jahre hinweg durch ungünstige Gewohnheiten. Umgekehrt bedeutet das:  

  • Bleib in Bewegung.
    Das Herz ist ein Muskel und wie alle Muskeln im Körper wird er durch Training stärker. Schon 30 Minuten moderate Bewegung an den meisten Tagen der Woche reichen aus, um einen spürbaren Unterschied zu schaffen. Als grobe Orientierung: Bei „moderater“ Intensität kannst Du Dich noch gut unterhalten. Geeignete Bewegungsformen sind zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen.
  • Iss herzfreundlich.
    Was Du isst, wirkt sich direkt auf Deine Gefäße und Dein Herz aus. Gut für das Herz sind vor allem: viel Gemüse und Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und gesunde Fette, zum Beispiel aus Olivenöl, Nüssen und Fisch. Rotes Fleisch, Salz, Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel sollten dagegen nur selten auf dem Speiseplan stehen.

    Gut zu wissen: Manche Menschen ergänzen ihre Ernährung mit Präparaten wie Omega-3-Fettsäuren1, Thiamin (Vitamin B1)2 oder Coenzym Q10, die im Zusammenhang mit Herzgesundheit untersucht werden. Diese Nahrungsergänzungsmittel können eine ausgewogene Ernährung unterstützen, ersetzen sie aber nicht. Falls Du Fragen oder Unsicherheiten hast, sprich am besten mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt – vor allem dann, wenn Du Medikamente nimmst.

  • Hör auf mit dem Rauchen.
    Rauchen ist einer der gefährlichsten Risikofaktoren für Herzerkrankungen. Es schädigt die Gefäße auf verschiedenen Wegen, fördert Arteriosklerose und erhöht das Herzinfarktrisiko erheblich. Wer aufhört zu rauchen, tut seinem Herz sofort etwas Gutes – in welchem Alter auch immer. Raucherentwöhnungsprogramme, Nikotinersatzprodukte und eine gute Vorbereitung können den Einstieg in den Rauchstopp erleichtern.
  • Nimm Dir Auszeiten.
    Chronischer Stress ist für das Herz eine echte Belastung. Um Stress abzufedern, musst Du nicht zum Yoga-Profi werden. Schon kleine, regelmäßige Pausen, ausreichend Schlaf und Dinge, die Dir guttun, helfen Deinem Nervensystem (und damit Deinem Herz), zur Ruhe zu kommen.
  • Trinke Alkohol nur in Maßen.
    Gelegentlich ein Glas Wein ist für die meisten gesunden Menschen kein Problem. Regelmäßiger und übermäßiger Alkoholkonsum hingegen belastet das Herz und kann auf Dauer zu Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche beitragen.
  • Behalte Blutdruck und Blutzucker im Blick.
    Bluthochdruck und Diabetes schädigen die Gefäße schleichend. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen helfen, Probleme früh zu erkennen und gegenzusteuern.
  • Hör auf Deinen Körper.
    Ungewöhnliche Erschöpfung, Herzrasen, Druckgefühl in der Brust oder Kurzatmigkeit ohne offensichtlichen Grund – solche Signale solltest Du bitte ernst nehmen und ärztlich abklären lassen. Wer früh handelt, kann vieles verhindern.

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Du Fragen hast oder unsicher bist, wende Dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft. Entscheidungen, die Du aufgrund dieser Informationen triffst, erfolgen auf eigene Verantwortung.

Quellen

Internetquellen

Printquellen

  • Brandes, R., Lang, F., Schmidt, R. (2019). Physiologie des Menschen: mit Pathophysiologie. Berlin: Springer.