Schlaganfall-Prävention
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18.5.2026
Jedes Jahr erleiden in Deutschland rund 270.000 Menschen einen Schlaganfall – das ist etwa alle zwei Minuten ein Betroffener. Dabei gilt ein Großteil dieser Fälle als vermeidbar. Denn wer die Risikofaktoren kennt und gezielt gegensteuert, kann sein persönliches Risiko erheblich senken.
Wie entsteht ein Schlaganfall?
Um einen Schlaganfall zu verhindern, hilft es zunächst zu verstehen, was überhaupt passiert. Beim Schlaganfall wird ein Teil des Gehirns plötzlich nicht mehr ausreichend mit Blut – und damit mit Sauerstoff – versorgt.
In rund 80 % der Fälle ist der Auslöser ein Blutgerinnsel, das ein Gefäß im Hirn verstopft (ischämischer Schlaganfall). Deutlich seltener reißt ein Gefäß und es kommt zu einer Gehirnblutung (hämorrhagischer Schlaganfall).
Risikofaktoren
Auf manche Risikofaktoren hat man keinen Einfluss. Das sind:
- Alter: Ab dem 55. Lebensjahr steigt das Schlaganfall-Risiko mit jedem Jahrzehnt an.
- Geschlecht: Männer erleiden häufiger und früher einen Schlaganfall, Frauen holen im höheren Alter aber auf und haben oft schwerere Verläufe.
- genetische Veranlagung: Wer Eltern oder Geschwister hat, die einen Schlaganfall erlitten, trägt selbst ein erhöhtes Risiko.
Die meisten Risikofaktoren sind jedoch beeinflussbar. Dazu gehören:
- Bluthochdruck (Hypertonie): Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck ist der Hauptrisikofaktor für einen Schlaganfall. Er schadet den Gefäßen schleichend und über Jahre – oft, ohne dass Betroffene etwas davon merken.
- Vorhofflimmern: Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung, die mit zunehmendem Alter häufiger wird. Durch den unregelmäßigen Herzschlag können sich Blutgerinnsel im Vorhof bilden. Werden losgeschwemmte Blutgerinnsel mit dem Blutstrom ins Gehirn verschleppt, können sie dort zu einem Schlaganfall führen.
- erhöhte Blutfette (Hypercholesterinämie): Zu viel LDL-Cholesterin – also das „schlechte“ Cholesterin – lagert sich in den Gefäßwänden ab. Diese werden dadurch immer enger und härter, was das Risiko für gefährliche Verstopfungen in den Gefäßen erhöht.
- Diabetes mellitus: Bei Diabetes ist der Blutzucker dauerhaft erhöht. Das schädigt die Blutgefäße schleichend und erhöht das Schlaganfall-Risiko erheblich.
- Rauchen: Nikotin und die anderen Schadstoffe im Tabakrauch begünstigen Bluthochdruck und fördern Gerinnselbildung. Vor allem starke Raucherinnen und Raucher (> 20 Zigaretten/Tag) haben ein doppelt bis vierfach erhöhtes Schlaganfall-Risiko.
- Übergewicht und Adipositas: Übergewicht – insbesondere Bauchfett – belastet das Herz-Kreislauf-System und fördert Bluthochdruck, Diabetes und erhöhte Blutfette. All das sind eigenständige Schlaganfall-Risikofaktoren.
Schlaganfall – nicht nur ein Risiko im Alter
Schlaganfall wird oft mit höherem Alter verbunden. Doch die Erkrankung kann auch junge Menschen treffen. Bei 18- und 35-Jährigen stecken dahinter meist keine klassischen Risikofaktoren, sondern häufig angeborene Ursachen: Herzfehler, Gerinnungsstörungen, Gefäßeinrisse (sogenannte Dissektionen) oder seltene genetische Syndrome.
Bei jungen Frauen kommen spezifische Risikofaktoren hinzu, die oft unterschätzt werden: Die Kombination aus Antibabypille und Rauchen erhöht das Risiko für Blutgerinnsel deutlich. Auch Migräne mit Aura gilt als Risikofaktor, ebenso wie die Zeit rund um die Entbindung, in der der Körper die Blutgerinnung natürlicherweise erhöht, um Blutungen bei der Geburt vorzubeugen.
Schlaganfall vorbeugen
Ein Großteil aller Schlaganfälle gilt als vermeidbar. Das heißt: Du hast wirklich Einfluss! Mit den richtigen Gewohnheiten und regelmäßigen Check-ups kannst Du Dein persönliches Risiko deutlich senken.
- Regelmäßige Bewegung
Regelmäßige Bewegung stärkt das Herz und die Gefäße, senkt den Blutdruck, unterstützt ein gesundes Körpergewicht und tut nebenbei auch der Psyche gut.
Die Empfehlung lautet: mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche, also zum Beispiel 30 Minuten an fünf Tagen. Zügiges Spazierengehen, Radfahren, Schwimmen, Tanzen – alles zählt! Ergänzend dazu empfiehlt sich regelmäßiges Krafttraining, das die großen Muskelgruppen beansprucht. - Ausgewogene Ernährung
Was Du isst, wirkt sich direkt auf Blutdruck, Cholesterin und Körpergewicht aus – und damit auf Dein Schlaganfall-Risiko. Die Grundformel ist simpel: viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte, dafür weniger rotes Fleisch, Wurst, Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel. Gesunde Fette aus Nüssen, Samen oder fettem Fisch tun den Gefäßen zusätzlich gut. Und: weniger Salz – denn zu viel davon erhöht den Blutdruck. Empfohlen wird deshalb, den Konsum auf unter 6 Gramm Salz (etwa 1 Teelöffel) pro Tag zu beschränken. - Gesundes Körpergewicht
Ein gesundes Gewicht senkt gleich mehrere Risiken auf einmal. Der wirksamste Weg dahin ist die Kombination aus ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung. Wer dabei Unterstützung braucht, kann eine Gewichtsabnahme auch ärztlich begleiten lassen oder an einem strukturierten Programm teilnehmen – die Krankenkassen übernehmen hierfür oft die Kosten. - Rauchstopp
Mit dem Rauchen aufzuhören ist die wohl wirkungsvollste Maßnahme, die Raucherinnen und Raucher treffen können. Schon wenige Minuten nach der letzten Zigarette beginnt der Körper, sich zu erholen, und je länger Du rauchfrei bleibst, desto größer sind die Effekte: Das Schlaganfall-Risiko sinkt innerhalb von fünf Jahren auf das Niveau eines Nichtrauchers. - Alkoholkonsum einschränken
Grundsätzlich gilt: so wenig Alkohol wie möglich. Wer trinkt, sollte es bei kleinen Mengen belassen und regelmäßige alkoholfreie Tage einplanen. Und das lange diskutierte gesundheitsförderliche Glas Rotwein am Abend? Gilt wissenschaftlich als überholt. - Blutdruck messen
Ab 40 Jahren – oder wenn bereits Risikofaktoren bekannt sind – sollte mindestens einmal im Jahr der Blutdruck gemessen werden. Wer schon weiß, dass die Werte leicht erhöht sind, sollte regelmäßig nachkontrollieren.
Orientierungswerte: Unter 130/85 mmHg ist alles im grünen Bereich. Ab 130/80 mmHg spricht man von erhöhtem Blutdruck, ab 140/90 mmHg von behandlungsbedürftiger Hypertonie. - Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen
Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Vorhofflimmern – all das macht lange keine Beschwerden. Deshalb sind regelmäßige Check-ups so wichtig. Ab 35 Jahren gibt es in Deutschland alle drei Jahre einen kostenlosen Gesundheits-Check in der Hausarztpraxis – Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin inklusive.
Ab 65 gilt außerdem: Vorhofflimmern wird im Alter häufiger – und bleibt oft unbemerkt. Eine einfache Pulsmessung oder ein EKG kann es aufdecken. Wer viele Medikamente nimmt, sollte diese zudem regelmäßig gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt überprüfen, um Wechselwirkungen zu vermeiden.
Schlaganfall bei erhöhtem Risiko vorbeugen
Wenn ein oder mehrere Risikofaktoren (erhöhter Blutdruck, Vorhofflimmern oder stark erhöhte Blutfette) bekannt sind, ist häufig – zusätzlich zu den Lebensstilanpassungen – eine medikamentöse Behandlung notwendig, um das Schlaganfall-Risiko zu senken. Welche Medikamente sinnvoll sind, ist sehr individuell und sollte immer gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt entschieden werden.
- Medikamentöse Behandlung von Bluthochdruck
Ein zu hoher Bluthochdruck verursacht meist keine Beschwerden, schadet den Gefäßen aber über Jahre hinweg. Die gute Nachricht: Mit den richtigen Medikamenten lässt er sich meist gut in den Griff bekommen. Dabei können verschiedene Wirkstoffgruppen zum Einsatz kommen: ACE-Hemmer, Sartane, Kalziumantagonisten oder Diuretika – oft auch zwei oder drei in Kombination. - Medikamentöse Behandlung von Vorhofflimmern
Das Risiko für einen Schlaganfall ist bei Vorhofflimmern bis zu fünfmal höher als normal. Blutverdünnende Medikamente, sogenannte Antikoagulanzien, können dieses Risiko senken. - Medikamentöse Behandlung von erhöhten Blutfetten
Zu viel LDL-Cholesterin lagert sich in Gefäßwänden ab und macht sie anfällig für Verstopfungen. Statine wie Atorvastatin senken nicht nur den Cholesterinspiegel, sondern wirken auch entzündungshemmend in den Gefäßen
Gut zu wissen: Diese Maßnahmen können auch für Menschen sinnvoll sein, die bereits einen Schlaganfall hatten: Sie senken das Risiko für einen erneuten Schlaganfall.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Du Fragen hast oder unsicher bist, wende Dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft. Entscheidungen, die Du aufgrund dieser Informationen triffst, erfolgen auf eigene Verantwortung.
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Quellen
Internetquellen
Internetquellen
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