Blutkörperchen
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18.5.2026
Unser Blut ist weit mehr als eine rote Flüssigkeit. Zu etwa 55 % besteht es aus Blutplasma – einer klaren, gelblichen Flüssigkeit, die sich hauptsächlich aus Wasser und Nährstoffen zusammensetzt und Hormone sowie Botenstoffe durch den Körper transportiert. Die restlichen 45 % setzen sich aus festen Bestandteilen zusammen: den Blutzellen, auch „Blutkörperchen" genannt. Und genau diese kleinen Zellen haben es in sich.
Blutkörperchen im Überblick: Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten
Es gibt drei verschiedene Typen von Blutkörperchen. Jeder von ihnen übernimmt eine andere, unverzichtbare Aufgabe. Gemeinsam sorgen sie dafür, dass Dein Körper mit Sauerstoff versorgt wird, vor Krankheitserregern geschützt wird und dass Verletzungen schnell heilen.
Erythrozyten (rote Blutkörperchen)
Die Erythrozyten sind die mit Abstand häufigsten Zellen in Deinem Blut. Nicht nur ihre rote Farbe, sondern auch ihre Form ist unverwechselbar: kleine Scheibchen, auf beiden Seiten leicht eingedellt.
Erythrozyten besitzen – anders als die allermeisten Zellen – keinen Zellkern. Dadurch sind sie so flexibel, dass sie sich durch jedes noch so kleine Blutgefäß quetschen können, ohne Schaden zu nehmen.
Das eigentliche Herzstück jedes roten Blutkörperchens ist das Hämoglobin. Dieses eisenhaltige Protein füllt die Erythrozyten förmlich aus und macht etwa 97 % ihres Trockengewichts aus. Hämoglobin bindet in der Lunge Sauerstoff – und wird dabei leuchtend rot. Genau das gibt den roten Blutkörperchen ihre charakteristische Farbe und ihren Namen. Mit seiner wertvollen Fracht reist das Hämoglobin durch den gesamten Körper, gibt den Sauerstoff im Gewebe ab und nimmt im Gegenzug Kohlendioxid auf, das es zurück zur Lunge transportiert.
Leukozyten (weiße Blutkörperchen)
Weiße Blutkörperchen sind keine homogene Gruppe, sondern eine ganze Familie verschiedener Zelltypen mit unterschiedlichen Aufgaben. Man unterteilt sie in drei große Gruppen: Granulozyten, Lymphozyten und Monozyten.
Granulozyten
Granulozyten
Die Gruppe der Granulozyten macht den größten Teil der Leukozyten aus. Sie reagiert als erste auf Eindringlinge und lässt sich in drei Typen unterteilen.
Die neutrophilen Granulozyten durchsuchen kontinuierlich das Blut, spüren Bakterien auf, umhüllen diese und machen sie unschädlich.
Die eosinophilen Granulozyten sind vor allem bei Parasitenbefall aktiv, aber auch bei allergischen Reaktionen: Sie setzen Botenstoffe frei, die helfen, größere Eindringlinge einzudämmen.
Die basophilen Granulozyten sind zwar selten (sie machen weniger als 1 % der Leukozyten aus), spielen aber eine wichtige Rolle bei Entzündungen und Allergien. Sie setzen Histamin frei, das Blutgefäße weitet und andere Immunzellen an den Ort des Geschehens lockt.
Lymphozyten
Lymphozyten
Die Lymphozyten sind die Spezialisten unter den weißen Blutkörperchen. Während andere Immunzellen eher allgemein auf Eindringlinge reagieren, können Lymphozyten ganz gezielt auf einen bestimmten Erreger eingehen. Zu ihnen gehören drei Zelltypen.
Die T-Zellen erkennen es, wenn eine Körperzelle von einem Virus befallen wurde, und sorgen dafür, dass sie sich auflöst, bevor der Virus sich ausbreitet.
Die B-Zellen haben eine andere Strategie: Sie produzieren Antikörper – kleine Eiweißmoleküle, die sich wie Fähnchen an einen Krankheitserreger heften und ihn dadurch für andere Immunzellen sichtbar machen.
Die natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) überwachen den Körper und prüfen dabei ständig, ob Zellen sich normal verhalten. Stellen sie fest, dass etwas nicht stimmt – zum Beispiel bei einer Krebszelle –, eliminieren sie diese.
Ein besonderes Merkmal der Lymphozyten: Nach einer überstandenen Infektion bleiben sogenannte Gedächtniszellen zurück. Sie erinnern sich langfristig an den Erreger und können so beim nächsten Kontakt noch schneller und besser reagieren. Genau dieses Prinzip nutzen Impfungen.
Monozyten
Monozyten
Die Monozyten sind die wandlungsfähigsten Zellen unter den weißen Blutkörperchen. Sie zirkulieren im Blut, wandern aber bei Bedarf in umliegendes Gewebe aus, wo sie sich in sogenannte Makrophagen verwandeln. Diese nehmen Zelltrümmer, abgestorbene Zellen und Fremdstoffe auf und beseitigen sie, indem sie sie verdauen. Gleichzeitig schütten sie Signalmoleküle aus, die andere Immunzellen an den Ort des Geschehens locken, zum Beispiel zu einer Wunde am Körper.
Thrombozyten (Blutplättchen)
Thrombozyten sind winzig – mit einem Durchmesser von nur 2 bis 3 Mikrometern die kleinsten Bestandteile des Blutes. Im Ruhezustand wirken sie völlig unscheinbar, wie kleine, flache Scheibchen, die einfach mit dem Blutstrom mitschwimmen. Doch sobald ein Blutgefäß verletzt wird, aktivieren sie sich blitzschnell: Sie verklumpen und bilden einen Pfropfen, der die Wunde vorläufig verschließt. Gleichzeitig senden sie Botenstoffe aus, die die Blutgerinnung in Gang setzen.
Wie entstehen Blutkörperchen?
Blutzellen haben eine begrenzte Lebenszeit – von wenigen Stunden (neutrophile Granulozyten) über etwa 120 Tage (Erythrozyten) bis hin zu vielen Jahren (T-Zellen). Das bedeutet: Dein Körper muss ununterbrochen neue Blutzellen produzieren, damit das Blut seine lebenswichtigen Aufgaben erfüllen kann.
Der Ort dieses Geschehens ist das Knochenmark – ein weiches, stark durchblutetes Gewebe in den Hohlräumen bestimmter Knochen. Dort befindet sich die gemeinsame Quelle aller Blutkörperchen: die hämatopoetische Stammzelle. Sie ist gewissermaßen die Urzelle des Blutes. Aus ihr gehen durch viele Reifungsschritte alle verschiedenen Zelltypen hervor. Dieser Prozess trägt den Namen Hämatopoese.
Erhöhte oder erniedrigte Werte – was das Blutbild verrät
Ein Blutbild ist eine der häufigsten und aussagekräftigsten Untersuchungen in der Medizin. Eine kleine Menge Blut genügt, um einen erstaunlich genauen Einblick in den Zustand Deines Körpers zu bekommen. Dabei werden unter anderem die Anzahl und Beschaffenheit der roten Blutkörperchen, der weißen Blutkörperchen und der Blutplättchen gemessen. Was bedeuten diese Zahlen konkret?
Erythrozyten (Ery) /Hämoglobin (Hb)
Normwert Erythrozyten:
Frauen: 4,1 – 5,1 Mio./µl*
Männer: 4,5 – 5,9 Mio./µl*
Normwert Hämoglobin:
Frauen: 7,1 – 9,9 mmol/l*
Männer: 8,4 – 11,0 mmol/l*Erniedrigte Werte
Ist die Anzahl an roten Blutkörperchen oder der Hämoglobinwert zu niedrig, kann das auf eine Anämie hinweisen – der Körper bekommt möglicherweise nicht genug Sauerstoff. Die häufigste Ursache ist ein Eisenmangel – man spricht dann von einer Eisenmangelanämie. Doch auch andere Faktoren können eine Blutarmut auslösen: ein Vitamin-B12-Mangel, bestimmte Bluterkrankungen, ein größerer Blutverlust durch eine Verletzung oder Operation oder chronische Erkrankungen wie Krebs, bei denen der Körper die Blutbildung nicht mehr aufrechterhalten kann.Erhöhte Werte
Ein zu hoher Erythrozyten- oder Hämoglobinwert ist eher selten. Sind die Werte erhöht, kann das bedeuten, dass der Körper versucht, einen Sauerstoffmangel auszugleichen – zum Beispiel nach längerem Aufenthalt in großer Höhe, bei starkem Flüssigkeitsmangel oder bestimmten Lungenerkrankungen.
Leukozyten
Normwert:
4.000 – 10.000/µl*Erniedrigte Werte
Sind die weißen Blutkörperchen zu niedrig, kann das ein Hinweis darauf sein, dass das Immunsystem geschwächt ist und der Körper weniger gut auf Krankheitserreger reagieren kann. Die möglichen Ursachen sind vielfältig. Manchmal liegt es an einer Störung der Blutbildung im Knochenmark, manchmal ist es eine Nebenwirkung bestimmter Medikamente – etwa einer Chemotherapie. Auch chronische Erkrankungen wie Krebs oder Autoimmunerkrankungen können dazu führen, dass zu wenige weiße Blutkörperchen gebildet werden oder vorhandene Zellen zu schnell abgebaut werden. Darüber hinaus können bestimmte Virusinfektionen die Werte vorübergehend senken: Eine unbehandelte HIV-Infektion beispielsweise greift gezielt die weißen Blutkörperchen an und schwächt das Immunsystem über die Zeit erheblich.Erhöhte Werte
Eine erhöhte Anzahl von Lymphozyten wird als Lymphozytose bezeichnet. Eine Lymphozytose ist häufig ein Hinweis darauf, dass sich der Körper gerade mit einer Infektion auseinandersetzt. Je nachdem, welche Untergruppe erhöht ist, lassen sich sogar Rückschlüsse auf die Art der Infektion ziehen: Viele neutrophile Granulozyten sprechen eher für eine bakterielle Infektion, viele Lymphozyten eher für eine virale. Sind die weißen Blutkörperchen dagegen dauerhaft stark erhöht und die Zellen unreif, kann das ein Hinweis auf eine Erkrankung des Knochenmarks sein – das sollte unbedingt weiter abgeklärt werden.
Thrombozyten
Normwert:
Frauen: 170.000 – 450.000/µl*
Männer: 140.000 – 390.000/µl*Erniedrigte Werte
Niedrige Werte können verschiedene Ursachen haben – von bestimmten Medikamenten (z.B. Gerinnungshemmern) über Erkrankungen des Knochenmarks bis hin zu einem Vitamin-B12- oder Folsäuremangel. Auch manche chronischen Erkrankungen wie Lebererkrankungen können dazu beitragen, dass der Körper zu wenige Blutplättchen bildet oder vorhandene zu schnell abbaut.
Ein niedriger Wert bedeutet, dass das Blut schlechter gerinnt – kleine Verletzungen bluten dann länger, blaue Flecken entstehen leichter.Erhöhte Werte
Erhöhte Werte sind häufig eine vorübergehende Reaktion des Körpers – etwa nach einem Blutverlust, einer Operation oder einer Infektion. Der Körper produziert dann mehr Blutplättchen als gewöhnlich, um gewappnet zu sein. Sobald der Auslöser behoben ist, normalisieren sich die Werte in der Regel von selbst. Dauerhaft erhöhte Werte sollten jedoch ärztlich abgeklärt werden, denn eine schnelle Blutgerinnung erhöht das Risiko für unerwünschte Blutgerinnsel.
* Diese Werte dienen nur als Orientierung. Die Referenzbereiche können sich von Labor zu Labor unterscheiden, da verschiedene Testverfahren eingesetzt werden.
Wichtig: Ein einzelner auffälliger Wert ist noch keine Diagnose. Ärztinnen und Ärzte betrachten das Blutbild immer im Zusammenhang mit den individuellen Beschwerden, der Krankengeschichte und oft weiteren Untersuchungen. Das Blutbild liefert wertvolle erste Hinweise, aber immer nur Teile des Gesamtbildes.
Fun Facts über Blutkörperchen
Hier kommen drei spannende Fakten, die Du bestimmt noch nicht wusstest, jetzt aber nicht mehr so schnell vergessen wirst:
Dein Körper produziert pro Sekunde etwa 2–3 Millionen rote Blutkörperchen – das sind rund 200 Milliarden Erythrozyten pro Tag!
Ein Liter Blut wiegt etwa 1,06 kg – also etwas mehr als Wasser, weil die enthaltenen Zellen und Proteine dichter sind.
Manche Tintenfischarten haben blaues Blut, weil sie für den Sauerstofftransport statt Hämoglobin (eisenhaltig) Hämocyanin (kupferhaltig) verwenden. Das rote Hämoglobin von uns Menschen ist deutlich effizienter: Es kann viermal mehr Sauerstoff transportieren als seine kupferne Alternative.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Du Fragen hast oder unsicher bist, wende Dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft. Entscheidungen, die Du aufgrund dieser Informationen triffst, erfolgen auf eigene Verantwortung.
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Quellen
Internetquellen
Internetquellen
Pschyrembel Online. Erythrozyten. https://www.pschyrembel.de/Thrombozyten/K0MHX/doc/. Abgerufen am 20. März 2026.
Pschyrembel Online. Leukozyten. https://www.pschyrembel.de/Thrombozyten/K0MHX/doc/. Abgerufen am 20. März 2026.
Pschyrembel Online. Thrombozyten. https://www.pschyrembel.de/Thrombozyten/K0MHX/doc/. Abgerufen am 20. März 2026.
Printquellen
Printquellen
Böhm, B. O., Niederau, C. M. (2021). Klinikleitfaden Labordiagnostik. Urban und Fischer.
Jelkmann, W. (2010). Blut. In R. F. Schmidt, F. Lang & M. Heckmann (Hrsg.), Physiologie des Menschen (31. Aufl., S. 478–502). Springer.