Der Blutkreislauf
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18.5.2026
Er ist pausenlos in Gang – rund um die Uhr und dabei meist völlig unbemerkt von uns. Ohne ihn würde kein Organ funktionieren, keine Zelle überleben. Höchste Zeit, „ihn“ besser kennenzulernen: unseren Blutkreislauf.
Aufbau des Blutkreislaufs
Damit unser Körper gesund bleibt, muss jede einzelne Zelle kontinuierlich mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Gleichzeitig müssen Stoffwechsel- und Abfallstoffe abtransportiert werden. Diese Aufgaben übernimmt der Blutkreislauf: ein hocheffizientes Transportsystem, bestehend aus Herz, Blutgefäßen und Blut, das rund um die Uhr arbeitet.
Das Herz
Das Herz ist – im wahrsten Sinne des Wortes – das Herzstück des Blutkreislaufs. Mit jedem Herzschlag zieht sich der faustgroße Muskel rhythmisch zusammen und entspannt sich wieder. Dabei pumpt er das Blut durch den gesamten Körper. Das Herz besteht aus vier Kammern: zwei Vorhöfen (oben) und zwei Hauptkammern (unten). Die linke und die rechte Seite sind durch eine Wand voneinander getrennt und haben unterschiedliche Aufgaben.Das Blut
Das Blut ist der Transportstoff des Systems. Es besteht hauptsächlich aus roten Blutkörperchen, weißen Blutkörperchen, Blutplättchen und dem flüssigen Blutplasma, in dem Nährstoffe, Hormone und Abfallstoffe gelöst sind.Die Blutgefäße
Das Blut fließt durch ein weit verzweigtes Netz aus Gefäßen. Arterien leiten Blut vom Herzen weg, Venen bringen es zurück zum Herzen. Die Kapillaren sind haarfeine Verbindungsgefäße zwischen beiden, durch sie findet der eigentliche Austausch von Sauerstoff und Nährstoffen mit den Körperzellen statt.
Doppelter Blutkreislauf: Lungenkreislauf und Körperkreislauf
Das Herz arbeitet mit zwei synchronisierten Pumpen – den Herzkammern – die das Blut gleichzeitig in zwei Richtungen befördern: zur Lunge und in den restlichen Körper. Daraus ergeben sich zwei ineinandergreifende Kreisläufe: der Körperkreislauf (großer Blutkreislauf) und der Lungenkreislauf (kleiner Blutkreislauf).
Der Körperkreislauf (großer Blutkreislauf)
Die linke Herzkammer pumpt sauerstoffreiches Blut durch die Arterien in den gesamten Körper. Unterwegs gibt das Blut Sauerstoff und Nährstoffe an die Zellen ab und nimmt dafür Kohlendioxid auf. Anschließend fließt das nun sauerstoffarme Blut über die Venen zurück zum Herzen – diesmal zum rechten Vorhof. Damit ist die erste Runde abgeschlossen. Doch bevor das Blut erneut in den Körper geschickt werden kann, muss es erst wieder mit Sauerstoff aufgeladen werden – und genau hier übernimmt der Lungenkreislauf.
Der Lungenkreislauf (kleiner Blutkreislauf)
Die rechte Herzkammer pumpt das sauerstoffarme Blut nun über die Lungenarterie zur Lunge. Dort gibt es das gesammelte Kohlendioxid ab (wir atmen es aus) und tankt frischen Sauerstoff. Aufgeladen und bereit für die nächste Runde, fließt das Blut über die Lungenvene in den linken Vorhof. Die linke Herzkammer pumpt es erneut in den Körper – und der Kreislauf beginnt von vorne.
Gut zu wissen: Ein vollständiger Umlauf durch beide Kreisläufe dauert beim gesunden Erwachsenen in Ruhe etwa eine Minute. Bei starker körperlicher Anstrengung – und damit erhöhtem Sauerstoffbedarf der Muskulatur – geht das einige Sekunden schneller.
Die Rolle des Blutkreislaufs für den Körper
Der Blutkreislauf erfüllt im Körper mehrere lebenswichtige Aufgaben gleichzeitig:
Sauerstoffversorgung
Das Blut nimmt Sauerstoff in der Lunge auf und transportiert ihn zu allen Organen und Geweben. Ohne diese Versorgung würden Zellen innerhalb von wenigen Minuten absterben.Abtransport von Abfallstoffen
Auf dem Rückweg nimmt das Blut mit, was die Zellen nicht mehr brauchen: Kohlendioxid wird zurück zur Lunge transportiert und ausgeatmet, andere Stoffwechselprodukte werden über die Nieren gefiltert und mit dem Urin ausgeschieden.Nährstofftransport
Verdaute Nährstoffe aus dem Darm – also Zucker, Fette, Eiweiße, Vitamine und Mineralstoffe – werden über das Blut in den gesamten Körper verteilt und dienen als Energiequelle und Baumaterial für Zellen und Gewebe.Wärmeregulation
Der Blutkreislauf dient auch als internes Thermomanagement. Bei Kälte zieht er sich zusammen, um Wärme zu bewahren. Bei Hitze weiten sich die Gefäße, damit Wärme über die Haut abgegeben werden kann. Das erklärt, warum viele Menschen beim Sport ein rotes Gesicht bekommen.Immunabwehr
Das Blut transportiert weiße Blutkörperchen und Antikörper dorthin, wo Krankheitserreger oder Entzündungen auftreten. Der Blutkreislauf ist damit ein wichtiger Teil des Immunsystems.
Wichtig: Damit der Blutkreislauf gut funktioniert, braucht er ein gesundes Herz und elastische, starke Blutgefäße.
Was kannst Du für Herz und Gefäße tun?
Gesunde Gefäße sind geschmeidig, elastisch und weit. Sie transportieren das Blut reibungslos durch den Körper. Doch im Laufe des Lebens können sie leiden: Erhöhter Blutdruck, zu viel Zucker oder Fett im Blut greifen die Gefäßwände von innen an. An den beschädigten Stellen lagern sich Fett, Kalk und andere Stoffe ab – es entstehen sogenannte Plaques. Die Gefäße werden enger, steifer und anfälliger. Fachleute reden dann von „Arteriosklerose“, umgangssprachlich auch „Arterienverkalkung" genannt. Reißt eine solche Ablagerung auf, bildet sich blitzschnell ein Gerinnsel, das das Gefäß vollständig verstopfen kann – mit möglicherweise lebensbedrohlichen Folgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.
Die gute Nachricht: Du kannst den Zustand Deines Gefäßsystems durch den Lebensstil maßgeblich beeinflussen. Die wichtigsten Maßnahmen sind:
Bleib in Bewegung.
Mit Ausdauersport wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren stärkst Du Dein Herz, hältst Deine Gefäße elastisch und senkst Blutdruck sowie Blutfettwerte.Ernähre Dich ausgewogen.
Was Du isst, wirkt sich direkt auf Deine Gefäße aus. Iss viel Gemüse, Vollkornprodukte und gesunde Fette – etwa aus Nüssen, Avocados oder Olivenöl. Sie schützen die Gefäßwände. Gesättigte Fette (vor allem in tierischen Fetten und Fast Food enthalten) sowie Salz und Zucker solltest Du dagegen reduzieren.Hör auf zu rauchen.
Die Schadstoffe in Zigaretten greifen die empfindlichen Innenwände der Blutgefäße direkt an und beschleunigen so die Arterienverkalkung erheblich. Studien zeigen: Je mehr und je länger jemand raucht, desto höher ist sein Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Wer aufhört, tut aber nicht nur seinem Herz-Kreislauf-System etwas Gutes – auch das Risiko für Krebs- und Lungenerkrankungen sinkt, und die Lebenserwartung steigt insgesamt deutlich.
Raucherentwöhnungsprogramme, Nikotinersatzprodukte und ärztliche Begleitung können nachweislich beim Rauchstopp helfen.Reduziere Stress.
Wer dauerhaft unter Stress steht, hat langfristig einen erhöhten Blutdruck. Regelmäßige Erholungsphasen, ausreichend Schlaf und Entspannungstechniken wie Atemübungen oder Sport schützen das Herz-Kreislauf-System spürbar.Nimm regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wahr.
Viele Risikofaktoren wie erhöhter Blutdruck, Blutzucker oder Blutfettwerte verursachen lange Zeit keine Beschwerden und werden deshalb oft zu spät erkannt. Lass Deine Werte regelmäßig beim Hausarzt kontrollieren.
Gut zu wissen: In Deutschland haben gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren alle 3 Jahre Anspruch auf den kostenlosen Gesundheits-Check-up beim Hausarzt. Dieser umfasst unter anderem die Messung von Blutzucker und Blutfettwerten – einfach beim nächsten Termin ansprechen!
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Du Fragen hast oder unsicher bist, wende Dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft. Entscheidungen, die Du aufgrund dieser Informationen triffst, erfolgen auf eigene Verantwortung.
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Quellen
Internetquellen
Internetquellen
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e. V. (2022). ESC Pocket Guidelines: Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Version 2021). Börm Bruckmeier. https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehab484
Printquellen
Printquellen
Brandes, R., Lang, F., & Schmidt, R. (2019). Physiologie des Menschen: Mit Pathophysiologie. Springer.