Venen
dm-drogerie markt
Lesedauer 8 Min.
•
18.5.2026
Venen durchziehen den gesamten Körper wie ein verzweigtes Flusssystem – von den Zehenspitzen bis zu den Haarwurzeln. Sie arbeiten völlig lautlos im Hintergrund, Sekunde für Sekunde, Tag für Tag, ein Leben lang. Und das, obwohl sie eine ganz besondere Herausforderung meistern müssen: Sie befördern das Blut, entgegen der Schwerkraft, nach oben zum Herz.
Was sind Venen?
Unser Körper wird von einem Netz aus Blutgefäßen durchzogen, die Venen sind ein großer Teil davon. Vereinfacht gesagt sind sie die Rückwege des Blutkreislaufs: Während die Arterien sauerstoffreiches Blut vom Herz in den Körper transportieren, sammeln die Venen das sauerstoffarme Blut wieder ein und bringen es zurück zum Herz. Von dort gelangt es in die Lunge, wird neu mit Sauerstoff versorgt und der Kreislauf beginnt von vorne.
Wie sind Venen aufgebaut?
Venen sind keine starren Röhren, sondern anpassungsfähige Gefäße, die aus drei Schichten bestehen:
- Die äußerste Schicht, die Tunica adventitia, besteht aus Bindegewebe und verankert die Vene im umliegenden Gewebe. Sie gibt der Vene Stabilität und Schutz.
- Darunter liegt die Tunica media, eine Schicht aus vorwiegend Muskelzellen. Bei Venen ist diese Schicht deutlich dünner als bei Arterien. Der Grund: Arterien müssen den direkten Druck des Herzschlags aushalten, der das Blut mit großer Kraft durch den Körper pumpt. In den Venen, also auf dem Rückweg des Bluts, ist der Blutdruck schon stark abgefallen.
- Die innerste Schicht – die Tunica intima – ist eine hauchdünne, glatte Zellschicht, die direkten Kontakt zum Blut hat. Sie sorgt dafür, dass das Blut reibungslos fließen kann und sich keine Blutgerinnsel bilden.
Ein besonderes Merkmal vieler Venen sind die Venenklappen. Diese kleinen, taschenartigen Strukturen an der Innenwand öffnen sich, wenn das Blut in Richtung Herz geht, machen aber zu, sobald es droht zurückzufließen.
Welche Arten von Venen gibt es?
Je nach Lage und Aufgabe unterscheidet man verschiedene Venen-Typen:
- Oberflächliche Venen verlaufen direkt unter der Haut und sind oft sicht- und tastbar – zum Beispiel auf dem Handrücken oder in der Armbeuge. Sie sammeln Blut aus Haut und Unterhautgewebe und transportieren es in die tiefen Venen. Oberflächliche Venen werden für die Blutabnahme und für Infusionen genutzt.
- Tiefe Venen liegen im Inneren des Körpers, eingebettet zwischen den Muskeln. Daher sind sie von außen nicht sichtbar. Sie transportieren den Großteil des Blutes zurück zum Herz.
- Verbindungsvenen (auch Perforansvenen genannt) bilden die Brücke zwischen den oberflächlichen und den tiefen Venen. Sie sorgen dafür, dass das Blut bei Bedarf zwischen den beiden Systemen wechseln kann.
Alle Venen sind Teil eines großen Venenystems: Kleinste Venen (Venolen) fließen in größere und diese in noch größere Blutgefäße. Am Ende des Systems stehen die beiden größten Venen des Körpers, die Hohlvenen. Die obere Hohlvene sammelt das gesamte Blut aus dem oberen Körperbereich – also aus Kopf, Hals, Armen und Brustkorb. Die untere Hohlvene bringt das Blut aus dem unteren Körperbereich – Bauch, Becken und Beine – zurück. Beide münden direkt in die rechte Herzkammer. Sie leiten das Blut zur Lunge weiter, wo es neu mit Sauerstoff versorgt wird.
Wie transportieren Venen das Blut?
Die Venen – besonders die in den Beinen – stehen vor einer großen Herausforderung: Sie müssen das Blut gegen die Schwerkraft nach oben zum Herz befördern – auf einem Weg von bis zu einem Meter. Das funktioniert nur dank eines cleveren Zusammenspiels aus Ventilen und natürlichen Pumpmechanismen.
- Venenklappen
Venenklappen wirken wie Einbahnstraßenschilder im Inneren der Gefäße. Sie öffnen sich, wenn das Blut in Richtung Herz fließt, und schließen sich sofort wieder, sobald es droht zurückzusinken. So verhindern sie, dass das Blut in den Beinen „versackt“. - Muskelpumpe
Wenn Du gehst, Fahrrad fährst oder Treppen steigst, pressen die Muskeln die tiefen Venen zusammen und drücken das Blut wie eine Art Pumpe in Richtung Herz. Das ist übrigens einer der wichtigsten Gründe, warum Bewegung so gut für die Venengesundheit ist. - Gelenkpumpe
Jede Bewegung in einem Gelenk (z.B. Knöchel-, Knie- oder Hüftgelenk) erzeugt einen leichten Druck auf die umliegenden Venen und fördert so den Blutfluss. Schon einfaches Zehenwippen oder Fußkreisen im Sitzen aktiviert diesen Mechanismus – ein kleiner Trick, der besonders bei langen Sitz- oder Stehphasen hilft.
Die Funktionen der Venen
Die bekannteste Aufgabe der Venen ist der Rücktransport des sauerstoffarmen Blutes zum Herz. Doch sie leisten noch mehr:
- Speicher für Blut: Im Ruhezustand befinden sich etwa 80 % des gesamten Blutvolumens in den Venen. Bei körperlicher Belastung können sie sich zusammenziehen und dieses Blut schnell mobilisieren – eine Art internes Reservoir, auf das der Körper zurückgreifen kann, wenn er z. B. plötzlich mehr Sauerstoff braucht.
- Transport von Abbaustoffen: Venen transportieren nicht nur Blut, sondern auch Abbauprodukte des Stoffwechsels, zum Beispiel Kohlendioxid, die der Körper loswerden möchte. Diese werden über die Lunge abgeatmet oder über den Urin ausgeschieden.
- Regulation der Temperatur: Venen spielen auch eine wichtige Rolle bei der Wärmeregulation. Durch eine verstärkte Durchblutung der Blutgefäße gibt der Körper Wärme ab – bei Kälte zieht er das Blut dagegen tiefer ins Körperinnere zurück, um Wärme zu speichern.
- Regulation des Blutdrucks: Zusammen mit den Arterien sorgen Venen dafür, dass der Blutdruck reguliert wird.
Häufige Venenerkrankungen – und wie sie behandelt werden
Venen leisten ein Leben lang Schwerstarbeit. Kein Wunder also, dass sie an ihre Grenzen geraten können. Veranlagung, Lebensstil oder schlicht das Älterwerden tragen oft dazu bei, dass sie mit der Zeit an Elastizität und Funktion verlieren. Gut, dass sich die meisten Venenerkrankungen behandeln lassen – vorausgesetzt, sie werden rechtzeitig erkannt.
Krampfadern (Varikose)
Krampfadern (Varikose)
Krampfadern sind die bekannteste Venenerkrankung. Sie entstehen, wenn die Venenwände oder Venenklappen geschwächt sind und das Blut sich in den oberflächlichen Beinvenen staut. Die Venen schwellen an und werden sichtbar unter der Haut – oft als bläuliche, gewundene Stränge an den Beinen.
- Einige Faktoren machen Krampfadern wahrscheinlicher:
- zunehmendes Alter,
- familiäre Veranlagung,
- starkes Übergewicht,
- langes Stehen oder Sitzen,
- Gefäßerkrankungen wie eine tiefe Beinvenenthrombose.
Für viele Menschen sind Krampfadern vor allem ein kosmetisches Problem, doch sie können auch Beschwerden verursachen wie: schwere, müde Beine, Spannungsgefühl, Schwellungen, nächtliche Wadenkrämpfe. In diesen Fällen (und natürlich auch, wenn sie als kosmetisch störend empfunden werden), können sie operativ entfernt, durch Hitze verschlossen (Laser- oder Radiofrequenztherapie) oder chemisch verödet (Sklerotherapie) werden.
Besenreiser
Besenreiser
Besenreiser sind die weniger ausgeprägte Form von Krampfadern: feine, rötliche oder bläuliche Äderchen direkt unter der Hautoberfläche – meist an den Beinen, manchmal auch im Gesicht. Sie sind in der Regel harmlos, können aber auf eine allgemeine Venenschwäche hinweisen. Wer sie aus kosmetischen Gründen behandeln möchte, kann sie in einer entsprechenden Klinik veröden oder lasern lassen.
Thrombose
Thrombose
Bei einer tiefen Venenthrombose (TVT) bildet sich ein Blutgerinnsel in einer der tiefen Venen – meist im Unter- oder Oberschenkel. Das Gerinnsel behindert den Blutfluss, sodass das Bein anschwellen, schmerzen und sich röten kann. Manchmal bleibt eine Thrombose aber auch unbemerkt.
Eine TVT muss schnell ärztlich versorgt werden, denn wenn sich das Gerinnsel löst und in die Lunge gelangt, kann es dort ein Blutgefäß verschließen – dann spricht man von Lungenembolie. Diese ist ein medizinischer Notfall und muss sofort notärztlich bzw. in der Klinik behandelt werden.
Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko für eine Thrombose:
- lange Bettlägerigkeit,
- lange Flugreisen,
- Schwangerschaften,
- große Operationen.
Deshalb ist es nach größeren Eingriffen (z.B. nach dem Einsatz eines neuen Kniegelenks) üblich, vorbeugend gerinnungshemmende Medikamente einzunehmen. Diese Medikamente werden auch eingesetzt, um eine Thrombose zu behandeln.
Chronische Veneninsuffizienz
Chronische Veneninsuffizienz
Wenn Venen über lange Zeit nicht mehr richtig arbeiten, kann sich eine chronische Veneninsuffizienz (CVI) entwickeln. Das Blut staut sich mehr und mehr in den Beinen, der Druck in den Gefäßen steigt und Flüssigkeit tritt ins umliegende Gewebe aus. Die Folgen: müde Beine, Schwellungen, Hautveränderungen wie Verfärbungen und Verhärtungen und im fortgeschrittenen Stadium offene, schlecht heilende Wunden (Ulcus cruris).
Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter und ist bei Frauen etwas häufiger als bei Männern. Weitere Risikofaktoren sind:
- unbehandelte Krampfadern,
- eine überstandene Thrombose,
- langes Stehen oder Sitzen im Berufsalltag,
- Übergewicht,
- eine familiäre Veranlagung zur Venenschwäche.
Eine CVI lässt sich nicht heilen, aber gut behandeln. Die wichtigste Maßnahme ist die Kompressionstherapie: Spezielle Strümpfe oder Verbände üben gleichmäßigen Druck auf die Beine aus und unterstützen so den Bluttransport zurück zum Herz. Ergänzend können abschwellende Medikamente, regelmäßige Bewegung und Hochlagern der Beine helfen. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, kommt auch eine Operation infrage.
Tipps für gesunde Venen
Du kannst selbst viel dafür tun, Deine Blutgefäße gesund zu halten und Venenerkrankungen vorzubeugen:
- Regelmäßige Bewegung
Bei Bewegung wirkt die Muskulatur wie eine Pumpe, die das Blut aktiv in Richtung Herz befördert – die sogenannte Muskelpumpe. Gehen, Radfahren, Schwimmen, Tanzen – alles zählt! - Langes Sitzen und Stehen vermeiden
Wenn Du viel im Büro sitzt oder beruflich lange stehst, solltest Du regelmäßig kleine Bewegungspausen einlegen. Zehenwippen, Fußkreisen oder kurze Gehpausen aktivieren die Beinmuskeln und entlasten die Venen. - Gesundes Körpergewicht
Übergewicht erhöht den Druck auf die Venen, besonders in den Beinen, und erhöht das Risiko für Krampfadern und Venenschwäche. - Viel trinken
Wenn Du ausreichend trinkst, förderst Du die Durchblutung, stabilisierst den Blutdruck und verbesserst die Sauerstoffversorgung im Körper. Die Empfehlung für Erwachsene: mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser oder ungesüßte Tees pro Tag. - Bei Bedarf Kompressionsstrümpfe tragen
Du bist schwanger, hast eine lange Flugreise vor Dir, sitzt sehr viel oder hast eine Venenschwäche? Dann können Kompressionsstrümpfe eine sinnvolle Unterstützung sein. Sie üben sanften Druck auf die Beine aus und fördern so den Bluttransport zum Herz. Das hilft, Schwellungen und „schwere Beine“ zu vermeiden. - Wechselduschen und Beine hochlegen
Kaltes Wasser regt die Venen zur Kontraktion an und stärkt die Gefäßwände. Die Beine hochzulegen – am besten über Herzhöhe – erleichtert dem Blut den Rückfluss und gibt müden Beinen spürbare Erleichterung. - Ausgewogene Ernährung
Eine ballaststoffreiche, pflanzenbasierte Ernährung mit viel Obst und Gemüse unterstützt die Gefäßgesundheit. - Pflanzliche Unterstützung
In der Pflanzenheilkunde gibt es einige Mittel, die speziell für die Venengesundheit entwickelt wurden. Rosskastanienextrakt oder rotes Weinlaub sind Beispiele für Wirkstoffe, die in Tabletten, Kapseln oder Gelen erhältlich sind und gezielt bei Venenbeschwerden eingesetzt werden.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Du Fragen hast oder unsicher bist, wende Dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft. Entscheidungen, die Du aufgrund dieser Informationen triffst, erfolgen auf eigene Verantwortung.
Weitere Beiträge
Quellen
Internetquellen
Internetquellen
- Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin e. V. (DGA). (2023). S2k-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und der Lungenembolie (Version 5.5, AWMF-Registernummer 065-002). AWMF. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/065-002
- Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie e. V. (DGPL). (2019). S2k-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Varikose (AWMF-Registernummer 037-018). AWMF. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/037-018
- Knight Nee Shingler, S. L., Robertson, L., Stewart, M. (2021). Graduated compression stockings for the initial treatment of varicose veins in people without venous ulceration. Cochrane Database Syst Rev (7). https://doi.org/10.1002/14651858.CD008819.pub4
Printquellen
Printquellen
- Jelkmann, W. (2010). Blut. In R. F. Schmidt, F. Lang & M. Heckmann (Hrsg.), Physiologie des Menschen (31. Aufl., S. 478–502). Springer.