Hexenschuss
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27.2.2026
Dein Rücken meldet sich – und zwar plötzlich und mit voller Wucht: Ein stechender Schmerz schießt in den unteren Rücken, jede Bewegung fühlt sich blockiert an.
So ein Hexenschuss kann beängstigend wirken, ist aber in den meisten Fällen kein Grund zur Panik. Mit etwas Fürsorge und Geduld wird man ihn meist schnell wieder los.
Was ist ein Hexenschuss?
Von einem Hexenschuss, medizinisch auch Lumbago oder akute Lumbalgie genannt, spricht man, wenn plötzlich und ohne Vorwarnung starke, stechende Rückenschmerzen auftreten, gefolgt von einer deutlichen Bewegungseinschränkung, etwa beim Aufrichten oder Drehen. Meist sitzt der „Schuss“ nur auf einer Seite, manchmal auch mittig.
Betroffene beschreiben häufig weitere Symptome:
- verhärtete oder verspannter Muskulatur,
- das Gefühl, nicht mehr aufrecht stehen zu können.
Wichtig: Wenn der Schmerz in die Beine ausstrahlt, Taubheitsgefühle oder Lähmungen auftreten, kann eine ernsthaftere Ursache dahinterstecken, etwa ein Bandscheibenvorfall oder eine Ischialgie (wenn eine der Nervenwurzeln des Ischias-Nervs gereizt oder eingeengt wird). In diesen Fällen solltest Du möglichst rasch eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen.
Ursachen für einen Hexenschuss
Die Bezeichnung „Hexenschuss“ stammt aus dem Mittelalter: Den jähen, lokal auftretenden Schmerz erklärte man sich als Folge eines Pfeils, abgeschossen von einem Menschen, der einem Böses wollte.
Heute wissen wir: Die Ursache ist in vielen Fällen eine alltägliche Bewegung – nur heftiger oder ungeschickter ausgeführt als sonst. Klassische Beispiele: Du bückst Dich etwas zu hastig oder stehst besonders schwungvoll auf. Die Folge: Die Muskulatur im Bereich der Lendenwirbelsäule zieht sich reflexartig zusammen.
Diese Verspannung kann wiederum nahe gelegene Gewebe und Strukturen beeinträchtigen: Kleine Wirbelgelenke (Facettengelenke) können blockieren. Durch die Verspannung oder Blockade werden wiederum Nerven im Bereich der Wirbelsäule gereizt, was sich durch den typischen, einschießenden Schmerz bemerkbar macht.
Gut zu wissen: Ein Hexenschuss hat oft eine Vorgeschichte. Nicht selten steckt eine geschwächte Rückenmuskulatur oder eine ungünstige Haltung dahinter. Beides macht den Rücken empfindlicher und beeinträchtigt seine Fähigkeit, Instabilitäten oder Überbelastungen abzufangen.
Weitere Risikofaktoren sind:
- Zugluft oder Kälte,
- Stress,
- Schlafmangel,
- Übergewicht.
Hexenschuss behandeln
Auch wenn der Hexenschuss sehr schmerzhaft ist – er geht meist von selbst vorbei. Mit ein paar Maßnahmen kannst Du aber Deine akuten Beschwerden lindern.
Erste Hilfe und Selbstbehandlung
- Wärme
Ein Wärmekissen, eine Wärmflasche, ein Wärmepflaster oder einfach ein warmes Bad können die Durchblutung anregen und die Muskulatur entspannen. - Bewegung statt Schonung
So verlockend es ist, im Bett zu bleiben – besser nicht! Studien zeigen, dass sanfte Bewegung wie Spazierengehen oder Dehnübungen die Beschwerden schneller abklingen lässt.
Wichtig: Gehe behutsam mit Deinem Körper um. Wähle schonende, möglichst schmerzfreie Aktivitäten, vermeide plötzliche oder schwere Belastungen, aber gleichzeitig auch eine dauerhafte Schonhaltung. - Stufenlagerung
Lege Dich flach auf den Rücken, winkle die Beine leicht an und lege die Unterschenkel auf einem Stuhl, Hocker oder Sitzwürfel ab. Zwischen Oberschenkeln und Unterschenkeln sowie zwischen Oberschenkeln und Hüfte sollte jeweils ein 90-Grad-Winkel entstehen. Diese Haltung sorgt für Entlastung in der Wirbelsäule und Entspannung in der Rückenmuskulatur. - Schmerzmittel bei Bedarf
Wirkstoffe wie Ibuprofen oder Diclofenac wirken nicht nur schmerzlindernd, sondern können auch helfen, Muskelverspannungen zu lösen. Dadurch fällt Dir Bewegung wieder leichter. - Pflanzliche Alternativen
Salben, Gele oder Öle mit natürlichen Wirkstoffen gegen akute Beschwerden (z.B. Arnika, Teufelskralle, Beinwell) sind in der Regel gut verträglich und können helfen, Verspannungen zu lösen.
Professionelle Behandlung
Wenn sich die Schmerzen nach mehreren Tagen nicht bessern oder gar stärker werden oder wenn weitere Symptome hinzukommen (Schmerzen in den Beinen, Taubheitsgefühle, Kribbeln), solltest Du ärztlichen Rat einholen. Die Ärztin oder der Arzt kann:
- eine physiotherapeutische Behandlung verschreiben,
- Dich an eine Orthopädin oder einen Orthopäden verweisen,
- Wärmetherapie verordnen, z. B. Rotlichttherapie, Fangopackungen, heiße Rolle,
- bei Bedarf Injektionen in die Muskulatur geben,
- prüfen, ob ein Bandscheibenvorfall oder eine andere Ursache vorliegt
Tipps zur Vorbeugung
Obwohl er wie aus dem Nichts kommt, kann so ein Hexenschuss doch ein Signal sein: Achte mehr auf Deinen Rücken! Hier ein paar Veränderungen im Alltag, mit denen Du Deinen Rücken „pflegen“ kannst:
- Regelmäßig bewegen
Rückenfreundliche Sportarten wie Nordic Walking, Schwimmen, Aquafitness, Yoga oder Pilates stärken die Muskulatur, fördern die Beweglichkeit und beugen Verspannungen vor. Auch im Alltag kannst Du viel für Deinen Rücken tun: Nimm die Treppe statt des Aufzugs, erledige kurze Strecken zu Fuß oder mit dem Rad, stehe beim Telefonieren einfach mal auf oder dehne Dich regelmäßig, wenn Du lange sitzt. - Rückenschonend heben
Achte beim Heben darauf, bewusst und langsam in die Knie zu gehen und die Last aus den Beinen statt aus dem Rücken heraus zu stemmen. Halte den Gegenstand dabei möglichst nah am Körper, den Rücken gerade und die Bauchmuskulatur angespannt. - Ergonomisch sitzen
Ein rückenfreundlicher Arbeitsplatz ist Gold wert – besonders, wenn Du viele Stunden am Schreibtisch verbringst. Achte darauf, dass Stuhl und Tisch in der richtigen Höhe eingestellt sind: Die Füße sollten flach auf dem Boden stehen, Knie und Hüfte etwa im rechten Winkel gebeugt. Halte Deine Wirbelsäule möglichst gerade und lehne Dich entspannt an die Stuhllehne an. Stehe alle 30–45 Minuten kurz auf, strecke Dich, kreise die Schultern oder gehe ein paar Schritte. - Für Entspannung sorgen
Nicht nur körperliche Belastung, auch Stress kann sich im Rücken festsetzen. Gönne Dir regelmäßig Momente der Entspannung: Saunabesuch, ein warmes Bad, Atemübungen, progressive Muskelentspannung oder eine professionelle Massage.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Du Fragen hast oder unsicher bist, wende Dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft. Entscheidungen, die Du aufgrund dieser Informationen triffst, erfolgen auf eigene Verantwortung.
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Quellen
Internetquellen
Internetquellen
- Cashin, A.G., Wand, B.M., O'Connell, N.E., Lee, H., Rizzo, R.R., Bagg, M.K., O'Hagan, E., Maher, C.G., Furlan, A.D., van Tulder, M.W., McAuley, J.H. (2023). Pharmacological treatments for low back pain in adults: an overview of Cochrane Reviews. Cochrane Database of Systematic Reviews. https://doi.org/10.1002/14651858.CD013815.pub2
- Dahm, K.T., Brurberg, K.G., Jamtvedt, G., Hagen, K.B. (2022). Advice to rest in bed versus advice to stay active for acute low-back pain and sciatica. Cochrane Database of Systematic Reviews. https://doi.org/10.1002/14651858.CD007612.pub2
- Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). (2023). S2k-Leitlinie: Spezifischer Kreuzschmerz (AWMF-Registernr. 187-059). AWMF. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/187-059