HauptnavigationKategorienavigationHauptinhalt

Farbenblind

dm-drogeriemarkt

dm-drogerie markt

Lesedauer 6 Min.

•

8.12.2025

Ein Mann hält ein Buch mit einer bunten Illustration eines Gehirns in der Hand, während er mit einem Jungen spricht, dessen Gesicht unscharf ist

Blauer Himmel, grüne Wiesen, rote Rosen – unsere Welt ist kunterbunt. Doch leider nicht für alle gleich. Für etwa 8 % der Männer und 0,5 % der Frauen sieht die Welt anders aus. Der Grund: eine Farbsinnstörung.

Was ist Farbenblindheit?

Zuständig fĂźr das Sehen sind spezielle lichtempfindliche Sinneszellen in der Netzhaut des Auges: die Stäbchen und die Zapfen. Die Stäbchen ermĂśglichen es uns, bei Dämmerung und Dunkelheit zu sehen, die Zapfen hingegen arbeiten nur bei Helligkeit und sind fĂźr die Farbwahrnehmung verantwortlich. Bei den Zapfen gibt es drei verschiedene Typen: Rot-Zapfen reagieren nur auf rotes, GrĂźn-Zapfen auf grĂźnes und Blau-Zapfen auf blaues Licht.  

Wenn einer oder mehrere der drei Zapfentypen fehlt bzw. fehlen oder nicht richtig funktioniert bzw. funktionieren, kann das Auge die entsprechenden Farben nicht korrekt verarbeiten – es kommt zu einer Farbsinnstörung. Diese kann sich, je nach Ausprägung und Ursache, in Form einer Farbsehschwäche bis hin zur totalen Farbenblindheit (Achromatopsie) äußern.

Farbsehschwäche und Farbenblindheit – worin besteht der Unterschied?

  • Farbsehschwäche:  
    Bei einer Farbsehschwäche kĂśnnen Betroffene Farben zwar sehen, bestimmte FarbtĂśne jedoch schlechter unterscheiden, da ein Teil der Zapfen fehlerhaft reagiert. Am bekanntesten ist die Rot-GrĂźn-Schwäche, gefolgt von der selteneren Blau-Gelb-Schwäche.  
  • partielle Farbenblindheit:  
    Bei dieser Form fehlen bestimmte Zapfen oder sie arbeiten nicht richtig, sodass die jeweilige Farbe nicht wahrgenommen werden kann.
  • Dichromasie: Nur zwei von drei Zapfentypen sind funktionsfähig.
    • Deuteranopie – GrĂźnblindheit (defekte GrĂźn-Zapfen)
    • Protanopie – Rotblindheit (defekte Rot-Zapfen)
    • Tritanopie – Blaublindheit (defekte Blau-Zapfen)
  • Monochromasie: Nur ein Zapfentyp funktioniert – meist der fĂźr Blau. Betroffene nehmen die Welt daher stark eingeschränkt farbig wahr.
  • totale Farbenblindheit:  
    Bei totaler Farbenblindheit, auch „Achromatopsie“ oder „Achromasie“ genannt, sind alle Zapfen defekt oder fehlen, sodass die Betroffenen keine Farben, sondern nur Graustufen sehen. Diese Form ist sehr selten und geht oft mit weiteren Sehproblemen wie hoher Lichtempfindlichkeit oder geringer Sehschärfe einher.

Ursachen: Warum kommt es zur Farbenblindheit?

In den meisten Fällen sind FarbsinnstÜrungen erblich bedingt, sie kÜnnen jedoch auch im Laufe des Lebens erworben sein. Anders als bei angeborenen Formen steckt dann allerdings meist kein Defekt einzelner Zapfentypen dahinter, sondern es liegen Erkrankungen oder Schädigungen im Sehnerv oder Sehzentrum vor. Zu diesen Krankheiten gehÜren:

  • SehnerventzĂźndung
  • altersbedingte Makuladegeneration
  • grauer Star (Katarakt)
  • Schlaganfall
  • Schädel-Hirn-Trauma / Gehirnläsion

Auch manche Medikamente, zum Beispiel bestimmte Antibiotika oder Arzneimittel gegen Rheuma, kÜnnen vorßbergehend Farbsehschwächen hervorrufen.

Gut zu wissen

FarbsinnstĂśrungen betreffen deutlich häufiger Männer als Frauen. Grund: Die Gene fĂźr die Farbrezeptoren liegen auf dem X-Chromosom. Männer haben davon nur ein Exemplar, Frauen hingegen zwei. Fällt das Gen bei einem Mann aus oder ist es verändert, wirkt sich das sofort auf sein Farbsehen aus. Bei Frauen kann das zweite X-Chromosom den Defekt meist ausgleichen. Erst wenn auf beiden Chromosomen die Veränderung vorliegt, kann auch bei Frauen eine FarbsinnstĂśrung entstehen. 

Tests zur Feststellung von FarbsinnstĂśrungen

Ob eine FarbsinnstÜrung vorliegt, lässt sich mit speziellen Sehtests feststellen.

  • Ishihara-Test: Dabei werden bunte Kreise mit vielen kleinen Farbpunkten gezeigt. In ihnen verbergen sich Zahlen oder Formen, die nur Personen mit normalem Farbsehen eindeutig erkennen kĂśnnen.
  • Anomaloskop: An diesem sehr präzisen Gerät mĂźssen Betroffene zwei Lichtfelder so lange einstellen, bis sie gleich aussehen. Auf diese Weise lässt sich genau bestimmen, welche Art der FarbsinnstĂśrung vorliegt.
  • Farnsworth-Test: Dazu gehĂśren der Farnsworth D-15-Test mit 15 FarbtĂśnen und der Farnsworth-Munsell 100-Hue-Test mit 100 FarbtĂśnen. Bei beiden mĂźssen farbige Plättchen nach ihrer Farbabstufung sortiert werden. So lässt sich feststellen, in welchen Farbbereichen Schwierigkeiten bestehen.

Tipp: Ein Online-Selbsttest zu Hause kann einen ersten Hinweis geben. Eine zuverlässige Diagnose erhältst Du jedoch nur bei einer Augenärztin oder einem Augenarzt.

Herausforderungen im Alltag 

Wir bewegen uns in einer Welt, die stark auf Farbcodes setzt. Menschen mit Farbenblindheit oder einer FarbsinnstÜrung stehen dadurch täglich vor besonderen Herausforderungen. Hier ein paar typische Beispiele:

  • Öffentlicher Verkehr  
    Farben von Ampeln, Linien im U-Bahn-Plan oder auf Hinweisschildern sind nicht problemlos zu unterscheiden.  
  • Einkaufen 
    Hinweise dazu, ob eine Supermarktkasse gerade geĂśffnet (grĂźn) oder geschlossen (rot) ist, kĂśnnen nicht klar erkannt werden. Der Reifegrad von Obst und GemĂźse lässt sich nur schwer bestimmen.  
  • Kleidung
    Farben aufeinander abzustimmen oder Farbunterschiede bei ähnlichen TÜnen zu erkennen, ist oft knifflig.
  • Technische Geräte
    Farbige Kabel, Displays oder Diagramme kĂśnnen Verwirrung stiften, wenn Farbcodes die einzige Orientierung sind.

Auch beruflich kann eine FarbsinnstÜrung Einschränkungen mit sich bringen. In manchen Berufen wie Pilot, Elektriker, Lokfßhrer oder Grafikdesigner ist eine exakte Farbwahrnehmung Voraussetzung. Betroffene kÜnnen diese Tätigkeiten daher oft nicht oder nur eingeschränkt ausßben.

Ist Farbenblindheit heilbar?

Derzeit gibt es kein Heilmittel fĂźr FarbsinnstĂśrungen. FĂźr totale Farbenblindheit wird jedoch an einer Genersatztherapie geforscht, die die Funktion der Zapfen herstellen soll. 

Hilfsmittel und UnterstĂźtzung  

Da FarbsinnstÜrungen meist angeboren sind, entwickeln die Betroffenen mit der Zeit meist eigene Strategien, um zurechtzukommen. Sie orientieren sich an Form und Helligkeit, zum Beispiel bei Ampeln, und verwenden Markierungen oder Beschriftungen, etwa um passende Kleidung auszuwählen. Darßber hinaus gibt es praktische Hilfsmittel, die den Alltag erleichtern kÜnnen:

  • Brillen und Kontaktlinsen fĂźr Farbfehlsichtige
    Spezielle Brillen und Kontaktlinsen können Sehprobleme, die häufig mit Farbblindheit einhergehen, reduzieren – also zum Beispiel die Lichtempfindlichkeit mildern und die herabgesetzte Sehschärfe ausgleichen. Zudem sollen sie auch die Wahrnehmung von Farben verbessern. Studien zeigen zwar bisher nur begrenzte Verbesserungen, doch die Forschung sieht Potenzial für zukünftige Technologien.
  • Farbscanner und Apps 
    Elektronische Farberkennungsgeräte oder Apps kÜnnen helfen, Farben zu bestimmen.

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Du Fragen hast oder unsicher bist, wende Dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft. Entscheidungen, die Du aufgrund dieser Informationen triffst, erfolgen auf eigene Verantwortung.

Quellen

Internetquellen